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Highland Games

Highland Games

Für viele Reisende gehört es dazu, einmal diese bekannte schottische Tadition zu erleben.

Highland Games finden im Sommer überall in Schottland und weltweit überall dort statt, wo es starke schottische Auswanderergemeinschaften gibt. Fast jede größere Gemeinde hat ihre eigenen Spiele. Eine Übersicht über Orte und Daten findet man hier:

https://rshga.org/events/

Im Prinzip sind Highland Games eine spezielle schottische Art von Volksfest, wie bei uns die Kirchweih oder das Dorffest. Es spielt die lokale Pipe Band, es gibt Essen und Trinken und manchmal auch Stände der lokalen Produzenten von Kunsthandwerk oder landwirtschaftlichen Produkten.

Anstatt den bei uns üblichen Fahrgeschäften, finden hier aber verschiedene sportliche Wettkämpfe statt. Wettläufe, Steinewerfen und das berühmte „Tossing of the Caber“, das Baumstammwerfen. Auch Wettkämpfe im Highland Dancing werden abgehalten.

Ursprung

Vermutlich geht der Ursprung der Highland Games auf die jährlichen Treffen der Clans zurück. Hier traf man sich, tauschte Neuigkeiten aus, verliebte sich und die Mannsbilder konnten sich die Zeit damit vertreiben ihre Kräfte zu messen und den „Platzhirsch“ zu küren ;-).

Einer Überlieferung zufolge ließ König Malcolm III im 11. Jahrhundert ein Wettrennen am Berg Craig Choinnich bei Braemar veranstalten, um den schnellsten Läufer als königlichen Boten zu finden. Dies gilt als eine der frühesten Erwähnungen von Wettbewerben, die später mit den Highland Games in Verbindung gebracht wurden.

Viele Historiker sehen die eigentlichen Vorläufer jedoch in den Clan-Gatherings, bei denen sportliche Wettkämpfe, Waffenübungen, Musik und Tanz Teil des gesellschaftlichen Lebens waren.

Niedergang und Wiederbelebung

Nach dem gescheiterten Jakobitenaufstand von 1745 wurden viele traditionelle Highland-Bräuche unterdrückt. Das sogenannte Act of Proscription von 1746 schränkte schottische Kleidung, Versammlungen und kulturelle Traditionen stark ein.

Als sich im 19. Jahrhundert die Situation beruhigt hatte und volkstümliche Traditionen in Mode kamen, erlebten auch die Highland Games eine Renaissance. Besonders das Braemar Gathering in den Cairngorms wurde berühmt und wird bis heute von Mitgliedern der britischen Königsfamilie besucht.

Pipeband bei den Highland Games in Stirling
Auftakt der Highland Games mit der Pipe Band

Mein Highland Games Erlebnis in Stirling

Als wir 2015 zum ersten Mal in Schottland waren, besuchten wir die Highland Games in Stirling, da wir uns zu diesem Zeitpunkt in der Nähe aufhielten.

Wir kamen aus den Trossachs und irgendwie hatte ich Stirling unterschätzt. Es ist tatsächlich eine richtige Stadt, das hatte ich so irgendwie  nicht auf dem Plan gehabt und mich nicht genauer informiert, wo in Stirling  das Spektakel stattfinden sollte. Wo finden wir jetzt also bloß diese verflixten Spiele?

Zum Glück kann man in den allgegenwärtigen Kreisverkehren solange im Kreis fahren, bis man sich für eine Richtung entschieden hat. Diese Entscheidung fällt in diesem Moment eher zufällig und intuitiv, aber irgendwann stoßen wir dann tatsächlich auf diverse Hinweisschilder, die uns ins lokale Stadion lotsen. Angekommen erklärt uns ein freundlicher Schotte, dass wir hier leider nicht parken dürften, „Sorry for that“, sondern auf den Parkplatz bei Morrisons fahren sollten – wie ich dorthin komme, geht für mich dann allerdings in wenig verständlichen schottischen Lauten unter.

Ja, der durchaus sympathische schottische Akzent macht mir doch immer noch etwas Mühe. 70% bekomme ich etwa mit, aber die restlichen 30 fehlen meist und dazu gehört nun im Moment leider gerade der Hinweis wie ich zu Morrisons Parkplatz komme.

Mit vereinten mütterlich-töchterlichen Kräften schaffen wir es trotzdem schließlich die richtige Ausfahrt aus dem nächsten Kreisverkehr zu finden und unser Auto loszuwerden. Zum Glück müssen wir dann nur noch den Menschenmengen folgen, die langsam aber sicher eintrudeln, um rechtzeitig der Eröffnung der Spiele beizuwohnen.

Stirling war nicht meine erste Wahl, sondern lag einfach vom Termin und Ort her günstig. Letztendlich habe ich aber auch keine Vergleichsmöglichkeiten mit anderen Lokalitäten.

Im Eingangsbereich finden sich einige Stände mit Anbietern von lokalen Spezialitäten und Handwerk. Der Platz auf dem die Wettkämpfe stattfinden werden ist abgesperrt und die Menschen  gruppieren sich ringsum. Erfahrene Besucher haben sich mit Campingstühlen, kleinen Zelten oder Picknickdecken bewaffnet. Auf einer Tribüne laufen schon die Tanzwettbewerbe. Es wird außerdem Laufwettbewerbe über verschiedene Distanzen, Radrennen und ein paar typische Highlanddisziplinen wie Steinewerfen und als Höhepunkt  „Tossing the caber“ geben, das berühmte Baumstammwerfen, ohne das keine Veranstaltung dieser Art auskommt. Ein Kommentator erklärt zu Beginn der Spiele deren Ursprung und Bedeutung und führt humorvoll durch das Programm.

Den Auftakt macht dann eine Kompanie von Pipern und Trommlern in voller Highlanderausstattung. Bombastisch, archaisch. Sowohl die Klänge als auch diese Männer (und auch einige wenige Frauen) in voller Montur. Ein Anachronismus eigentlich, dieses in unserer Kultur so weibliche Kleidungsstück, das hier unglaublich männlich wirkt. Und das, obwohl der moderne Kilt es mit der ursprünglichen Variante (sehr schön zu sehen in der Fernsehserie „Outlander“), keinesfalls mehr aufnehmen kann. Aber ich kann es schon verstehen: den ursprünglichen Kilt, der nur aus einem ewig langen Stück Stoff bestand, richtig anzulegen und zu tragen, ist eine Kunst. Die moderne Form ist da schon etwas komfortabler und leichter zu handeln.

Wie dem auch sei: Diese Highlandertracht ist unglaublich attraktiv, fragt mich nicht warum. Wenn nicht eine leise, aber aufdringliche Stimme in mir, mich zur Vernunft rufen und mir zuflüstern würde, dass es doch total lächerlich ist, würde ich meinen Mann sofort in so ein Ding stecken und dann…aber lassen wir das. Zum Glück komme ich gar nicht erst in Versuchung, denn er ist weit, weit weg – Zuhause. Und auch als er dann da ist, halten wir unsere niederen Instinkte, mit zugegebenermaßen ein wenig Mühe, im Zaum und kaufen ihm keine Tracht, das geht ja nun wirklich nicht, ist total Touri, oder? Aber schön wär´s halt schon…

Mädchen beim Highlandtanz auf der Bühne
Die Tanzwettbewerbe

Nachdem die schönen Highlander wieder abgetreten waren, ging es weiter mit den Tanzwettbewerben, die den ganzen Tag über parallel laufen. Unendliche Reihen von Sechsergruppen in knallbunte Karoröcke gekleideter Mädels (ein paar wenige Jungs sind auch dabei) tanzen immer dieselben Sequenzen auf einer kleinen Tribüne zu einem einsam quietschenden Dudelsack. Das ist eine Stunde lang ganz nett, aber nach 6 Stunden Dauerbeschallung mit immer denselben Tonfolgen, fühlt man sich eher wie die unbesiegbaren Gallier im allseits bekannten Comic und möchte den nicht übermäßig talentierten Barden am liebsten gefesselt an den nächsten Baum hängen…

Als wir feststellten, dass die Tanzdarbietungen nichts Neues mehr zu bieten hatte, war es auch schon Mittag und Zeit nach einer kleinen Stärkung Ausschau zu halten. Wir bewegten uns also in Richtung der Essensstände am anderen Ende des Spielfelds. Hier gab es Wraps mit verschiedensten Füllungen (inkl. Haggis), die allgegenwärtigen „Chips“ und einiges mehr. Insgesamt keine schlechte Auswahl.

Ich muss gestehen, dass mich Sportveranstaltungen nicht wahnsinnig begeistern und hätte meine Tochter nicht darauf bestanden bis zum Ende zu bleiben, hätte ich wahrscheinlich nicht durchgehalten. Wahrscheinlich ist es hier auch letztendlich wie beim Dorffest zuhause. Der Spaß lebt davon, dass man Bekannte trifft und sich mit Essen und Trinken einen schönen Tag macht. Irgendwen da laufen zu sehen, den man nicht kennt, ist dagegen, zumindest für mich, nur mäßig aufregend.

Finale und Höhepunkt – The Tossing of the Caber

Zum Glück war das Wetter warm und sonnig und mithilfe einer Picknickdecke und eines der Highlanderromane von Diana Gabaldon ist es mir gelungen bis zum Höhepunkt des „Tossing of the Caber“ durchzuhalten, den man wohlweislich an den Schluss gelegt hatte. Das hat mir wiederum sehr gefallen und mich mit dem Tag versöhnt! Starke Männer im Kilt, die riesige Stämme durch die Gegend werfen sind schon eindrucksvoll…

Dabei geht es nicht darum die Stämme möglichst weit zu werfen, sondern so exakt wir möglich. Der Stamm muss sich einmal überschlagen und genau in der Flucht des Werfers fallen. Jede Abweichung davon gibt Minuspunkte.

Tossing of the Caber
Tossing of the Caber

Der Kommentator erklärte nebenbei den Ursprung dieser Disziplin so: Die Baumstämme sollen ursprünglich Dachsparren gewesen sein, die man auf die Dächer der Häuser geworfen hat. Deswegen war es wichtig sie möglichst exakt zu platzieren. Ich halte aber eine andere Variante für wahrscheinlicher, die ich irgendwo gelesen habe: Man warf die Baumstämme als Brücken über die wilden Bäche der Highlands. Um mehrere davon genau parallel zu platzieren, musste man auch sehr exakt in Flucht werfen können. Diese Brücken sollen vor allem gebraucht worden sein, wenn sich die Clans mal wieder aufmachten um sich gegenseitig die Köpfe einzuschlagen oder die Rinder zu rauben.

Länge und Gewicht der Stämme sind beim Wettkampf eigentlich genau festgelegt. Warum es in Stirling damit nicht so recht klappte, weiß ich nicht. Nachdem der erste Baumstamm beim zweiten Werfer zu Bruch gegangen war, wurde der Reservebaumstamm aktiviert. Doch mit diesem schaffte es nicht einmal der Landeschampion im Baumstammwerfen einen Überschlag hinzubekommen. Nach einigen Fehlversuchen verschiedener Experten, entschloss man sich dann kurzerhand den Stamm zu kürzen. Und die gewichtigen Herren konnten tatsächlich nicht nur werfen, sondern auch sägen. In Minutenschnelle war das dicke Ding durch, in Handarbeit versteht sich, und die Versuche waren sofort wieder von Erfolg gekrönt.

Punkt fünf Uhr, zur Tea Time, fiel dann der Vorhang und wir trieben träge im Strom der Menschen zurück zu Morrissons Parkplatz. Schlagartig wurde mir nun bewusst, dass ich unzähligen Schildern durch unzählige Kreisverkehre folgend zwar zum Stadion am anderen Ende der Stadt gefunden hatte, aber keine Ahnung hatte, wie wir von hier aus wieder unsere kleine Straße zurück in die Trossachs finden sollten. Ich wusste schlichtweg nicht, wo genau wir uns momentan in dieser Stadt befanden. Aber mit einigen kleinen Irrungen und Wirrungen fanden wir unseren Heimweg und landeten wohlbehalten wieder auf unserem Campingplatz.

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