Als Moray Coast wird in der Regel die Nordküste von Aberdeenshire und der östliche Teil des Moray Firth zwischen Fraserburgh und Inverness bezeichnet. Wegen ihrer attraktiven Steilküste, den schönen Sandstränden, dem milden Klima und im Vergleich zur schottischen Westküste oft guten Wetters, ist die Moray Coast ein beliebtes Urlaubsziel. Das Hinterland mit seinen fruchtbaren Böden wird von sanften Hügeln und Getreidefeldern dominiert und die Gegend deshalb oft als die Kornkammer Schottlands bezeichnet. Wir waren vor allem in der Grafschaft Moray zwischen Cullen und der Findhorn Bay unterwegs.
Inhalt

Findlater Castle
Findlater Castle ist eine Burgruine an der Steilküste einige Kilometer östlich von Cullen. Es liegt auf einem etwa 15 Meter hohen felsigen Kliff, das ins Meer hineinragt. Umgeben ist es von bis zu 27 Meter hohen Klippen.
Die heute noch sichtbaren Überreste der einstigen Festung datieren zurück auf einen Wiederaufbau im Jahr 1455. Das Hauptgebäude wurde in die Westseite des Felsens gebaut, derart dass die Hauptebene mit der Oberseite des Felsen abschließt. Die Gemäuer dieser Ebene sind mittlerweile jedoch nahezu vollständig abgetragen. Darunter befinden sich zwei weitere Stockwerke, die noch teilweise erhalten sind.
Die Felsen ringsum enthalten viel Quarz. Der Name der Festung „Findlater“ leitet sich dementsprechend von den altnordischen Worten fyn „weiß“ und leitr „Kliff“ ab.
Die Festung hat eine wechselhafte Geschichte. Die ältesten geschichtlich überlieferten Belege für die Existenz einer Burg reichen zurück bis in das Jahr 1246. Zeitweise wurde sie von den Wikingern eingenommen. Sie ist durch einen Spaziergang von etwa einem Kilometer über die Felder oberhalb der Klippen zu erreichen.
Es gibt einen Parkplatz in der Nähe eines Farmgebäudes den man von der A98 aus erreicht. Am Rand der Klippen hat es einen Aussichtspunkt und eine Infotafel. Von dort aus kann man dann, wenn man möchte, auf einem abenteuerlichen schmalen und steinigen Pfad bis zur Ruine absteigen. Das Gelände ist allerdings ausgesetzt und nicht gesichert. Die Begehung ist also ein kleines Abenteuer und man sollte trittsicher und schwindelfrei sein.
Oberhalb der Klippen führt dann ein Weg weiter zur Sunnyside Beach, einer abgelegenen, kleinen, sandigen Bucht, die auch von Cullen aus in einer kleinen Wanderung zu erreichen ist.

Cullen
Cullen ist ein hübsches, lebendiges Fischerdorf und ein Touristenzentrum mit knapp 1500 Einwohnern am östlichen Ende der Cullen Bay. Bekannt ist Cullen vor allem für „Cullen Skink“ eine Suppe mit Kartoffeln und geräuchertem Schellfisch, die als Delikatesse gilt.
Die beste Cullen Skink soll es im Übrigen in Lilly’s Kitchen geben.
Sie hat den Titel bei den Cullen Skink World Championships gewonnen. Genauer gesagt wurde Inhaberin Lynne Watson zur Weltmeisterin in der Kategorie „Traditional Cullen Skink“ (Traditionelle Zubereitung) gekürt – ein Titel, den sie sich sogar mehrfach holen konnte (2018, 2025 und 2026).
https://www.facebook.com/LilysKitchenCafe/?_rdr
Von Cullen aus kann man außerdem verschiedene, schöne Wanderungen am Meer und der Steilküste entlang machen – zum Beispiel zum Bow Fiddle Rock oder zum Findlater Castle
Von Cullen zum Bow Fiddle Rock
https://www.walkhighlands.co.uk/moray/cullen-bay.shtml
Von Cullen zur Sunnyside Beach und Findlater Castle
https://www.walkhighlands.co.uk/moray/findlater-castle.shtml

Portknockie und Bow Fiddle Rock
Portknockie liegt an der westlichen Landspitze der Cullen Bay. Im 19. Jahrhundert war es ein bedeutender Fischerhafen, in dem Heringe angelandet wurden. Gegenwärtig gibt es nur noch wenige kommerzielle Fischer. Der Ort ist aber ein beliebter Hafen für Sportfischer und man kann Delfine beobachten.
Die Hauptattraktion des kleinen Dorfes ist jedoch eine außergewöhnliche Felsformation im Meer vor der Steilküste, der sogenannte Bow Fiddle Rock. Der natürliche Felsbogen erinnert in seiner Form an einen Geigenbogen. Am Rand des Dorfes gibt es einen Parkplatz, von dem aus man zu der kleinen Bucht absteigen kann, in welcher der Felsen liegt.
Buckie
Mit über 8000 Einwohnern ist Buckie der größte Ort direkt an der Küste zwischen Fraserburgh und der Mündung des Spey. 1913 besaß Buckie die größte Flotte von Dampfern in ganz Schottland. Dem Hafen und der angeschlossenen Lebensmittelindustrie kommt auch heute noch eine große Bedeutung zu. Buckie ist nicht gerade eine Schönheit, aber ein Infrastrukturzentrum der Gegend mit Supermärkten und allem, was man so zum Leben braucht.
Spey Bay
Dort wo der berühmte Fluss, mit dessen Wasser einige der bekanntesten Whiskysorten gebraut werden, ins Meer fließt, findet sich im Bereich des Mündungsdeltas ein Naturschutzgebiet. Hier soll man Fischadler und Delfine beobachten können. Delfine leider haben wir aber keine gesehen. Am Ende der Stichstraße, in den Dünen, gibt es ein kleines Infozentrum, das hauptsächlich aus einem Shop und einem Café besteht. Bedauerlicherweise gibt es aber keine Rundwege, nur einen kurzen Track von ein paar hundert Metern, der am Rand entlangführt. Insgesamt ist das nicht besonders attraktiv und im Grunde kann man sich das meiner Meinung nach sparen – außer man ist der totale Fischadlerfan. Diese können durchaus öfter dort gesichtet werden.
Spey Bay Naturschutzgebiet

Findhorn Bay
Die Findhorn Bay ist eine flache Bucht an der Mündung des Findhorn River mit einer sehr schmalen Öffnung zum Meer. Bei Ebbe fällt der südliche Teil komplett trocken und nur das Flussbett bleibt von Wasser durchflossen. Damit stellt sie einen einzigartigen Lebensraum für viele Tiere, insbesondere Vögel dar.
Am nordöstlichen Ende der Bucht liegt direkt hinter einer ausgedehnten Dünenlandschaft das Dorf Findhorn. Das ursprüngliche Dorf wurde allerdings im 17. Jahrhundert von den Dünen begraben und auch der neue Standort wurde 1701 durch Überschwemmungen zerstört. So ist das heutige Findhorn bereits die dritte Version des Dorfes.
Findhorn war eine Zeit lang ein wichtiger Handels- und Fischereihafen mit einer florierenden Schiffsbauindustrie und Handelsbeziehungen zu baltischen und skandinavischen Häfen. Auch heute noch spielt sich ein Großteil des Dorflebens rund um die Bucht ab, die eines der wichtigsten Segel- und Wassersportzentren an diesem Küstenabschnitt ist. Hier befindet sich auch der Royal Findhorn Yacht Club.
Aufgrund des malerischen Dorfs, der geschützten Dünenlandschaft und des kilometerlangen Sandstrands, der in östlicher Richtung bis Burghead reicht, ist Findhorn bei Urlaubern sehr beliebt und an sonnigen Sommerwochenenden kann es hier richtig voll werden. Auch mir hat es hier ausnehmend gut gefallen und ich wäre gerne länger geblieben. Leider war aber Bankholiday Wochenende und alles ab dem nächsten Tag ausgebucht…

„Irgendwie war das heute nicht so mein Tag und ich bin gestresst – wir haben lange nach einem passenden Schlafplatz gesucht. Also packe ich meine Sachen und ab zum Strand. Das Wetter ist fantastisch, die Dämmerung setzt langsam ein und ein grandioser Sonnenuntergang kündigt sich bereits an. Bunte Strandhütten stehen aufgereiht an der Seeseite der Dünen. Die Wellen rollen sanft gegen den Strand, eine Frau genießt einen letzten Tee auf den Stufen ihrer Strandhütte während der Himmel immer durchsichtiger wird und anfängt in zarten Pastellfarben zu leuchten. Ich setze mich auf die Düne und beobachte Menschen, die ihren Abendspaziergang am Strand machen. Federwölkchen wie mit dem Pinsel eines japanischen Kalligrafen gemalt kräuseln sich am Himmel. Es ist so friedlich, so idyllisch, hier und jetzt kann man gar nicht anders als zur Ruhe kommen. Warum war ich gestresst? Ich habe es schon vergessen…mein Tag ist gerettet.
Die Findhorn Community ist mir seit meiner Jugend ein Begriff und der hier ansässige Verlag hat eines meiner Bücher auf Englisch herausgegeben. Obwohl ich nun schon das fünfte Mal in Schottland bin, habe ich es bisher nie geschafft. Jetzt bin ich endlich hier und finde tatsächlich, dass dieser Ort etwas Besonderes hat. Etwas Beruhigendes, Friedliches, das Herz und Seele weitet. Und so bleibe ich einfach sitzen und genieße die wunderschöne Stimmung bis die Sonne schließlich untergegangen ist.„
Das Ökodorf
Abgesehen von der schönen Lage, ist Findhorn aber international vor allem für das Findhorn Ecovillage und den Sitz der Findhorn Foundation bekannt. Menschen aus aller Welt kamen hier her, um Seminare zu besuchen und für einige Zeit in der Gemeinschaft zu leben und zu arbeiten. Inzwischen wurde der Seminarbetrieb eingestellt, das Ökodorf und alle anderen Aktivitäten laufen aber weiter.
Die Gemeinschaft wurde 1962 von Eileen und Peter Caddy und Dorothy McLean auf dem Campingplatz südlich des Dorfes gegründet. Ursprünglich basierte sie vor allem auf spirituellen Werten, heute steht mehr der ökologische Gedanke im Vordergrund. Die Stiftung umfasst nun 30 verschiedene Unternehmen und Initiativen, ein Bildungszentrum und ein Ökodorf mit 29 ökologischen Gebäuden. Die Findhorn Gemeinschaft ist außerdem in vielfältige kulturelle, soziale und ökologische Aktivitäten in der Region involviert. Sie betreibt auch einen Campingplatz auf dem Gelände des Ökodorfs und man kann an Führungen teilnehmen.
Von Kinloss aus, führt nur eine Stichstraße nach Findhorn, die schließlich an einem Parkplatz und Wohnmobilstellplatz in den Dünen endet. Zwischen Kinloss und Findhorn ist militärisches Sperrgebiet und die Kinloss Barracks markieren, den Standort des 39. Pionierregiments.
Findhorn Ort
Where nature meets culture
Findhorn Ökodorf
https://www.ecovillagefindhorn.com

Culbin Forest
Westlich der Findhorn Bay setzen sich der Sandstrand und die Dünenlandschaft bis Nairn fort und im Hinterland erstreckt sich ein weitläufiges Waldgebiet. Die Sand- und Dünenlandschaft ist ein RSPB Vogelschutzgebiet.
Im Wald gibt es Spazierwege und zwei markierte Rundwege unter der Verwaltung der Forstbehörde. Zwei Wanderparkplätze bieten Zugang. Der eine davon ist ein Stay-the-night Platz, auf dem man auch gegen eine kleine Gebühr übernachten darf.











