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Geschichten von Unterwegs

Ardnamurchan und die Ariundle Oakwoods

Schöne Strände, wilde Küste, ein ehemaliger Vulkankrater und alter atlantischer Regenwald machen Ardnamurchan und die westlichen Halbinseln zu einem wirklich lohnenden Ziel für Naturfreunde. Die großen Touristenströme rauschen hier vorbei und man findet noch jede Menge Ruhe, unberührte Landschaft und ein authentisches Schottland.

Die Halbinseln der westlichen Highlands

Südlich der Road to the Isles und westlich von Loch Linnhe liegt ein in weiten Teilen wildes und unzugängliches Gebiet, das sich in fünf Halbinseln gliedert: Moidart, Ardnamurchan, Sunart, Ardgour und Movern. Trotz seines landschaftlichen Reizes erfährt es kaum touristische Aufmerksamkeit und hat sich dementsprechend seine Ursprünglichkeit und Authentizität erhalten.

In diesem Artikel konzentriere ich mich auf die am besten erschlossenen Regionen von Ardnamurchan und Sunart. Man erreicht sie von Norden über die Road to the Isles oder über die Corran Ferry, südlich von Fort William nicht weit von Glencoe.

Karte von Ardnamurchan und den westlichen Halbinseln

Ardnamurchan

Westlich von Moidart und Sunart liegt Ardnamurchan und sein westlichster Punkt ist zugleich der westlichste Punkt des britischen Festlands. Corrachadh Mòr liegt nahe des Ardnamurchan Leuchtturms. Bei Salen zweigt die einzige, einspurige Straße Richtung Westen von der A861 ab und verläuft zum größten Teil entlang von Loch Sunart an der Südküste bis Kilchoan, dem Hauptort auf Ardnamurchan. Von dort quert sie die Landzunge bis Sanna Bay an der Nordküste und zur Landspitze mit dem Leuchtturm. Die Strecke ist landschaftlich ausgesprochen reizvoll.

Die Straße ist eng und kurvig, durchquert alte atlantischen Eichenwälder und bietet immer wieder spektakuläre Ausblicke auf Morvern und Loch Sunart. Wenn die Straße dann zum Ben Hiant, dem höchsten Berg der Region ansteigt, erreicht man eine einsame Bucht, die Camas nan Geall mit einem Aussichtspunkt, der einen fantastische Blick über den Sound of Mull bis zur Nordspitze von Mull und der dahinter liegenden Isle of Coll zu bieten hat.

In Kilchoan dann gibt es einen Dorfladen, ein Café und das Gemeindezentrum, in dem regelmäßige Märkte für lokale Produkte und Kunsthandwerk stattfinden. Kilchoan ist auch ein Fährhafen für die Überfahrt nach Tobermory auf der Isle of Mull und hat einen kleinen Naturcampingplatz.

Camas nan Geall
Camas nan Geall

Der Vulkan

Eine Attraktion auf Ardnamurchan ist der riesige alte Vukankrater, welcher einen großen Teil des nordwestlichen Teils der Halbinsel einnimmt. Auf dem Weg von Kilchoan nach Sanna Bay führt die Straße mitten hindurch. Es ist wirklich ein besonderes Erlebnis und geologisch ein Ort von internationaler Bedeutung.

Wenn man sich vorab ein wenig informieren möchte, gibt es am Gemeindezentrum eine geologische Karte von Ardnamurchan und Beispiele für einige der lokalen Gesteine. Auch am Fährhafen gibt es eine Infotafel des Lochaber Geopark, das die verschiedenen Zentren der Krater und die zugrundeliegende Geologie zeigt.

Insgesamt sind es drei Zentren und Kraterringe, wobei der dritte, der am deutlichsten sichtbare und der am vollständigsten erhaltene ist, wenn man von Kilchoan aus die kleine Straße Richtung Sanna Bay nimmt. Die ehemaligen Kraterwände zeigen sich hier als ein ringförmiger Hügelwall, der eine mehr oder weniger flache Ebene umschließt.

Es ist ein spezielles Gefühl, als wir dann wirklich so mitten durch den Krater fahren. Den ganzen Ring kann man am besten überblicken, wenn man an einem Parkplatz etwa einen Kilometer südöstlich von Achnaha anhält und den Feldweg in Richtung des ehemaligen Dorfe Glendrian nimmt. Wenn man dann auf die kleinen Hügel dort steigt, sieht man fast den kompletten Ring, als versteinerte Überreste der unterirdischen Magmakammer.

Fährt man dann weiter, erreicht man schließlich einen Parkplatz an der Bucht von Sanna. Auch hier gibt es eine Infotafel des Lochaber Geopark zur Entstehung der Kraterringe.

Die Nordküste

Die Nordküste von Ardnamurchan von Sanna Bay im Westen bis Kentra Bay im Osten wurde als National Scenic Area ausgewiesen und bietet eine Mischung aus dramatischer Felsenküste und wunderschönen Sandstränden. Besondere Ziele sind die Singing Sands in Gortenfern und die abgeschiedenen Sandbuchten an der Küste bei Ardtoe.

Sanna Bay, links ein Teil des Kraterrings
Sanna Bay, links ein Teil des Kraterrings

Sanna Bay

Sanna Bay ist eine hübsche, einsame Bucht. Der Kraterring ist von hier aus gesehen fast noch eindrücklicher und die Felsen aus dunklem, fast schwarzem Erruptivgestein bilden einen interessanten Kontrast zum weißen Sand. Vom Sanna Point aus hat man einen schönen Blick auf die Inseln Eigg, Muck und Rum auf der einen und den Leuchtturm auf der anderen Seite.

Der Leuchtturm

Vom Leuchtturm an der Westspitze blickt man auf die Inseln Mull, Coll und die Small Isles und an klaren Tagen sind die verschwommenen Umrisse von Skye und den Äußeren Hebriden zu erkennen.

Die Straße ist hier wirklich winzig und die Passing Places sind rar, doch zum Glück ist es früher Abend und außer uns ist niemand unterwegs. Dann kurz vor dem Leuchtturm erwartet uns eine echte Kuriosität hier im Nirgendwo: Die Zufahrt zum Leuchtturm ist so schmal, dass dort die einzige Ampel im Umkreis von 80 Kilometern steht, um den Einbahnstraßenverkehr zu regeln. Irgendwie lustig, wenn man schon jede Menge Kilometer Single Track hinter sich hat und dann plötzlich vor einer Ampel steht.

Zu den üblichen britischen Öffnungszeiten kann man hier ein kleines Museum besuchen, das Informationen über die Arbeitsweise des Leuchtturmes bietet sowie einen Raum, der das Leben der Wärter in den 1940er Jahren zeigt. Daneben befindet sich das restaurierte Maschinenhaus. Das alte Stallgebäude wurde in ein Café und ein Geschäft umgebaut, das vom Ardnamurchan Lighthouse Trust betreut wird. Wie häufig, sind wir für all das natürlich viel zu spät dran und so genießen wir einfach die schöne Aussicht aufs Meer und die kleinen Inseln Muck, Eigg und Rùm.

Vulkanisches Gestein an der Sanna Bay
Vulkanisches Gestein an der Sanna Bay

Kentra Bay

Kentra Bay ist vor allem bekannt für die sogenannten „Singing Sands“. Dies ist eine Bucht in der Nähe von Gortenfern, die über einen Wanderweg von Arivegaig aus zu erreichen ist. Insgesamt gibt es 4 Buchten, die aufgrund der speziellen Gräser, der Heidelandschaft und Wanderdünen unter Naturschutz stehen. Durch die Größe und Form der Sandkörner und den Kieselsäuregehalt macht der Sand ein singendes oder flüsterndes Geräusch, wenn der Wind darüberstreicht oder jemand darüber geht.

Ariundle Oakwoods

Das Ariundle Oakwood National Nature Reserve (NNR) gehört zu Sunart. Da man aber bei der An- oder Abreise fast zwangsläufig hier vorbeikommt, sollte man sich diese Besonderheit nicht entgehen lassen.

Die alten Eichenwälder sind eine Rarität und rund um Loch Sunart gibt es noch weitere davon. Zusammen stellen sie die größte zusammenhängende Fläche der letzten atlantischen Regenwälder in Großbritannien dar. Dieses Habitat ist einzigartig, da in einem milden und sehr feuchten Klima unzählige Arten von seltenen und geschützten Arten von Moosen, Flechten, Leberblümchen und Farnen gedeihen. Die schiere Fülle, Vielfalt und Seltenheit der Arten, die im schottischen Regenwald vorkommen, machen diesen einzigartigen Lebensraum für Botaniker international bedeutsam. Tatsächlich hat Schottland die besten verbliebenen Standorte in ganz Europa. Das Reservat in Sunart wird von NatureScot verwaltet und gepflegt und es gibt zwei markierte Wanderwege.

Alte Eichen im Ariundle Oakwood
Alte Eichen im Ariundle Oakwood

Der Spaziergang durch den Ariundle Oakwood ist mir immer noch in besonderer Erinnerung. Die Atmosphäre ist wirklich magisch. Die uralten knorrigen Eichen, bewachsen mit Moosen und Flechten, die wie die Bärte von unsichtbaren Wesen von den Zweigen hängen. Alles ist grün und feucht, voller Leben. Unten am Fluss führt ein Weg über einen Steg über moorigen Untergrund durch einen jungen, lichten Birkenhain. Es ist wie im Märchenland, eine ganz besondere Stimmung, einfach zauberhaft. 

Für den Rundgang braucht man etwa 1 ½ Stunden, die sich auf jeden Fall lohnen!

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