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Single Track Road in den schottischen Highlands

Keine Angst vor Single Track Roads

Eine Besonderheit in Schottland, vor allem in den abgelegenen Gegenden in den Highlands, sind die sogenannten Single Track Roads – Straßen mit nur einer Fahrspur für beide Richtungen.

Ist man in den Zentralen Highlands, auf großen Touristenrouten oder in der Nähe größerer Ortschaften unterwegs, wird man vielleicht niemals auf eine solche treffen. Doch in den Nordwestlichen Highlands, z.B. auf Teilen der NC500 und auf den Inseln der Inneren und Äußeren Hebriden, sind sie oft die einzige Möglichkeit von A nach B zu kommen.

Schottland ist fast überall schön, aber viele abgelegenere und besondere, einzigartige Orte erreicht man oft nur über die einspurigen Straßen und letztlich ist das Fahren auf den schottischen Single Track Roads doch auch ein wesentlicher Teil des Highlands-Abenteuers – und gar nicht so schwer, wenn man sich daran gewöhnt hat.

Erkennen kann man Single Track Roads auf Karten daran, dass sie gestrichelt gezeichnet sind (zumindest auf britischen Karten, bei Google leider nicht).

Zu Anfang hatte ich höllisch Respekt davor, aber nach kurzer Zeit liebten wir es. Es ist einfach eine andere Art des Fahrens – kommunikativ, interaktiv, langsamer, gelassener, bewusster. Man achtet aufeinander und rast nicht einfach irgendwo durch. Und in all den Jahren, sind wir tatsächlich quasi nie in unangenehme oder gefährliche Situationen geraten, was ich von „normalen“ deutschen oder anderen europäischen Straßen nicht unbedingt behaupten kann…

Außerdem: Seit ich im Schwarzwald wohne, weiß ich, dass es auch in Deutschland Single Track Roads gibt – allerdings ohne Ausweichbuchten und entsprechenden Regeln. Dagegen sind die in Schottland regelrechter Luxus 😊.

Die Regeln

Passing Places

Single Track Roads haben in regelmäßigen Abständen auf beiden Seiten Ausweichbuchten, die sogenannten Passing Places. Diese sind oft mit einem weißen Schild gekennzeichnet. In abgelegeneren Gegenden und auf sehr kleinen Straßen fehlt das aber auch oft.

Kommt dir jemand entgegen, hält derjenige, der einem Passing Place am nächsten ist, an. Das kann auch schon mal heißen, dass du ein wenig zurücksetzen und rückwärts in ein Passing Place fahren musst.

Hast du ein Passing Place auf deiner linken Seite fährst du in die Bucht hinein und lässt den Gegenverkehr passieren.

Ist das Passing Place auf deiner rechten Seite bleibst du auf der Straße gegenüber der Bucht stehen.

Denke daran – in Großbritannien herrscht Linksverkehr und das gilt auch für Single Track Roads. Man bleibt also immer auf der linken Seite und fährt nicht! auf die rechte Seite in die Bucht. Der Gegenverkehr nutzt dann die Bucht auf seiner Seite, um an dir vorbeizufahren.

Regeln für das Fahren auf Single Track Roads in Schottland

Wer hat Vorrang?

Es gilt das Prinzip der Höflichkeit, aber es gibt ein paar Faustregeln:

  • Wer näher an einer Ausbuchtung ist, hält normalerweise an oder setzt kurz zurück.
  • Wer bergab fährt, sollte dem bergauf fahrenden Fahrzeug Vorrang gewähren (ist nicht in Stein gemeißelt)
  • Ein kleiner PKW sollte eher Platz machen als ein riesiges Wohnmobil oder ein Viehtransporter, da diese schwerer rangieren können.

Eigentlich alles ganz logisch.

Außerdem wichtig:

  • Vorausschauendes Fahren: Wenn du in der Ferne ein Auto kommen siehst, plane schon jetzt, an welchem Passing Place ihr euch am besten treffen könnt.
  • Lass schnellere Fahrzeuge überholen: Wenn sich hinter dir eine Schlange bildet oder jemand sichtlich schneller fahren möchte, fahre in den nächsten Passing Place (links) und signalisiere mit dem Blinker, dass man dich überholen kann.

Ab und zu ein Blick in den Rückspiegel kann also nicht schaden  Das ist der Punkt, an dem sich Touristen oft unbeliebt machen. Einheimische kennen die Straßen in- und auswendig und sind meist zügiger unterwegs (zur Arbeit, zum Arzt, etc.).

  • Grüßen: Es ist absolut obligatorisch, sich bei demjenigen zu bedanken, der für dich angehalten hat. Ein kurzes Heben der Hand reicht aus.
  • Schafe, Hochlandrinder und Hirsche betrachten die Straße als ihr Wohnzimmer. Sie bewegen sich oft erst im letzten Moment. Bleib achtsam und geduldig.

No-Gos

Parken in Passing Places ist streng verboten! Es gefährdet den Verkehrsfluss und kann in Notfällen (Rettungsdienst) lebensgefährlich sein.

Eigentlich gar nicht so schwer, oder? Wie sind eure Erfahrungen auf Single Track Roads? Schreibt es mir gerne in die Kommentare!

Und hier noch ein kleines Video, wie das in Realität so aussehen kann. Wir sind auf der berühmt-berüchtigten Küstenstraße B869 zwischen Lochinver und Clachtoll in Assynt unterwegs

Meine erste Single Track Road

Von Craignure aus soll uns die A849 quer über den gebirgigen südlichen Teil der Insel bis nach Fionnphort bringen, wo die Schiffe nach Iona und Staffa ablegen. Die drei Ziffern in der Straßenbezeichnung hätten mich eigentlich schon stutzig machen müssen, aber meine Schottland Erfahrung hielt sich an diesem Punkt der Reise noch in Grenzen. Je mehr Ziffern, desto kleiner die Straße. Was hier auf Mull nun ganz praktisch bedeutete, dass ich mich kurz nach Ortsende ganz plötzlich und ziemlich unerwartet mit meiner ersten Single Track Road konfrontiert sah.

https://newerla-unterwegs.de/britische-inseln/erste-single-track-road

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