Meine erste Single Track Road begenete mir auf Mull und erwischte mich völlig unvorbereitet. Eigentlich hatte ich zu diesem Zeitpunkt keine Ahnung davon, dass es so etwas überhaupt gibt. Aber ich lebe noch und kann von meinen Abenteuern berichten :-).
Meine Tochter und ich haben einige Tage in den Trossachs verbracht, waren in Stirling bei den Highlandgames und wollen nun noch auf die Isle of Mull – vor allem nach Iona und Staffa. Alles ist bisher problemlos verlaufen und ich habe mich an den Linksverkehr gewöhnt. Auch in den Trossachs und rund um Loch Lomond gibt es schmale und kurvige Straßen, aber bisher alles im grünen Bereich und ganz normal zweispurig, wie in Deutschland auch.
Im August 2015 bekommen wir noch spontan einen Platz auf der Fähre und finden uns am frühen Abend in Craignure wieder (Vorsicht, das klappt heutzutage nicht mehr!). Von dort aus soll uns die A849 quer über den gebirgigen südlichen Teil der Insel bis nach Fionnphort bringen, wo wir auf einem schönen Campingplatz übernachten werden. Am nächsten Tag dann wollen wir nach Iona.
Die drei Ziffern in der Straßenbezeichnung hätten mich eigentlich schon stutzig machen sollen, aber meine Schottland Erfahrung hielt sich an diesem Punkt der Reise noch in Grenzen. Je mehr Ziffern, desto kleiner die Straße. Was hier auf Mull nun ganz praktisch bedeutet, dass ich mich kurz nach Ortsende ganz plötzlich und ziemlich unerwartet mit meiner ersten Single Track Road konfrontiert sehe.
Der Adrenalinpegel steigt, ich bin ziemlich unvorbereitet, habe mich noch nicht mit den Regeln beschäftigt, aber es gibt kein Zurück. Zumindest spielt der Linksverkehr hier erst mal keine Rolle mehr…
Am Ende war es gar nicht so schlimm…
Zum Glück ist diese Straße auf Mull eine Single Track Road für Anfänger und ich mache intuitiv alles richtig. Meistens geht es schön geradeaus und man sieht einen entgegenkommenden Wagen lange bevor es wirklich eng wird. Auch größere Steigungen oder Gefälle muss man nicht befürchten, eventuell kombiniert mit engen, kaum einsehbaren Kurven oder Blind Summits. Schottland war also nett zu mir.
Die Single Track Road für Fortgeschrittene sind mir dann erst später auf einsamen Wegen in den Trossachs oder in den Weiten der nordwestlichen Highlands begegnet. Dort reduziert sich die Durchschnittsgeschwindigkeit dann schon mal auf 20-30 km/h, doch zum Glück ist in solch dünn besiedelten Gegenden meist auch mit weniger Gegenverkehr zu rechnen. Zumindest war das 2015 noch so, heutzutage auf Skye oder auf der NC500 kann das dann schon mal anders aussehen…

Aber auch hier auf Mull war zu dieser Zeit zum Glück noch nicht viel los. Kam mir überhaupt jemand entgegen? So wirklich weiß ich es nicht mehr, wahrscheinlich schon, aber viele können es nicht gewesen sein.
Nachdem wir ca. 2 Stunden später lebendig und wohlbehalten in Fionnphort angekommen waren und unser Abendessen bei fantastischem Wetter mit Blick auf den Strand und das Meer genossen, fühlte ich mich großartig. Meine erste Fährüberfahrt, meine erste Single Track Road souverän gemeistert und das nicht nur mit einem normalen PKW, sondern mit unserem VW Camper. Ich bin kein Angsthase, aber das war schon alles ziemlich neu und ungewohnt und ich bin jetzt auch nicht so die begeisterte Autofahrerin und hatte auch noch einen Teenager im besten Alter neben mir 😉.
Eigentlich genieße ich lieber die Landschaft auf dem Beifahrersitz… also wenn ich das kann, kann es jede/r andere auch 😊.
Eigentlich machen Single Track Roads (meistens) richtig Spaß!
Im Großen und Ganzen habe ich mich aber letztendlich sehr schnell an das einspurige Fahren gewöhnt und es sogar ausgesprochen genossen!
Es ist ein ganz neues Gefühl von interaktivem Fahren: Kommt jemand entgegen, muss man blitzschnell entscheiden, wer welche der Ausweichbuchten benutzt und anhält und wer fahren darf. Es wird zum wortlosen Spiel zwischen dir und dem Gegenüber, das Intuition und Feingefühl erfordert, aber auch Spaß macht. Egotrips haben hier nichts verloren – jeder bemüht sich den Fluss so gut wie möglich aufrechtzuerhalten – man ist sich in der Regel freundlich gesonnen und achtsam miteinander.
Bald fand ich dann auch heraus, dass die Einheimischen blinken oder aufblenden, wenn sie bereit sind in eine der Buchten auszuweichen. So weiß man, dass man selbst nicht bremsen muss, sondern fahren kann. Ich kann nur empfehlen: Tu deinem Gegenüber den Gefallen und mache es genauso, denn die ständige Bremserei beiderseits, bis man sich entschieden hat, wer nun fährt und wer ausweicht, kann einem auf die Dauer wirklich auf die Nerven gehen!
Die Regeln
Wenn du einige Regeln beachtest, kann eigentlich nichts schiefgehen und vor allem wirst du kein Ärgernis für die Einheimischen sein. In dem folgenden Artikel habe ich alles wichtige für dich zusammengestellt:







