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Geschichten von Unterwegs

Glen Coe

Glen Coe, Glen Etive und die Magie der Highlands

Wir schreiben das Jahr 2015. Mein Mann und ich sind in unserem VW T5 unterwegs und zum ersten Mal in Schottland. Eigentlich wissen wir nicht viel von Schottland oder den Highlands und unser Entschluss hier unseren Sommerurlaub zu verbringen, fiel ziemlich spontan. Wir haben also keine Ahnung, was uns erwartet und dass wir am Ende dieser Reise quasi für den Rest der Welt verloren sein werden ;-).

Ich hatte meinen Mann vom Flughafen in Glasgow abgeholt, da er noch arbeiten musste, während ich den Bus und mich nach Schottland brachte. Ich war vor allem am Loch Lomond und in den Trossachs unterwegs, während ich auf ihn wartete und es war schön dort. Wir mögen die Trossachs. Sie blieben während all der Jahre, die wir nach Schottland fuhren immer unser Ankerpunkt.

Nach der langen Fahrt verbrachten wir immer wieder ein oder zwei Tage auf dem wunderschön im Wald gelegenen Campingplatz bei Aberfoyle und auch am Ende unserer Reisen genossen wir hier noch eine kleine Pause vor der anstrengenden Rückfahrt durch England. Doch Loch Lomond & The Trossachs sind der Gegend, in der wir leben, dem Schwarzwald, sehr ähnlich, also kein Highlight für uns in dem Sinne.

Und so begann das Abenteuer Highlands für uns in dem Moment, als ein Schild kurz nach Tyndrum anzeigte, dass wir nun den Nationalpark verließen. Dieses erste Mal werde ich nie vergessen und auch alle weiteren Male hatten für mich immer wieder Gänsehautpotential. Wer die Strecke von Loch Lomond über Tyndrum und das Glen Coe nach Fort William kennt, weiß jetzt vielleicht, wovon ich spreche.

Grampian Mountains an der A82 zwischen Tyndrum und Bridge of Orchy
Grampian Mountains an der A82 zwischen Tyndrum und Bridge of Orchy

Hier ändert sich die Landschaft dramatisch, endet der Wald und direkt neben der A82 erheben sich die mächtigen kahlen Hügel der Grampian Mountains, neben denen die Eisenbahnlinie, die an ihrem Fuß entlangführt wie ein Spielzeug aussieht. In der Regel beginnt hier bereits mein Herz schneller zu schlagen. Aber es kommt noch besser.

Zuerst durchquert man das vorwiegend flache, riesige Moorgebiet von Rannoch Moor, ebenfalls faszinierend und beeindruckend. Weite und Einsamkeit, ein fantastischer Ausblick bei Loch Tulla und dann ist man auch schon fast auf der Zielgeraden.

Glen Coe

„Einige Zeit sind wir nun durch die flache Ebene von Rannoch Moor gefahren und inzwischen ist es Abend geworden. Ich bin in die Karte vertieft, denn irgendwann soll es hier einen Abzweig ins Glen Etive geben. Doch als ich den Kopf wieder hebe, türmen sich ganz plötzlich hohe Berge vor uns auf. Wie aus dem Nichts sind sie plötzlich da, ragen aus der flachen Ebene.

Die drei Schwestern von Glen Coe
Die drei Schwestern von Glen Coe

Wow, es trifft mich unvorbereitet und wie ein Blitzschlag! Und als wären die Berge nicht schon eindrucksvoll genug, tauchen einige wenige Sonnenstrahlen zwischen bedrohlich dunklen Wolkenbergen die Szenerie in ein fast unwirkliches Licht. Das muss wohl Glen Coe sein und es hatte wahrlich seinen Auftritt! Wir sind so fasziniert, dass wir glatt unseren Abzweig ins Glen Etive verpassen und uns nun mitten in dem berühmten Tal wiederfinden.

Eigentlich hatte mich Glen Coe nicht so sehr interessiert, da die ziemlich stark befahrende A82 mitten hindurchführt und ständiger Autolärm mich einfach nervt. Doch jetzt bin ich schon ziemlich beeindruckt und die A82 ist mir egal. Mächtige runde Bergrücken liegen dort wie schlafende Riesen aus uralter Zeit. Zwischen ihnen windet sich die Straße in Kurven abwärts Richtung Loch Leven.

An einem Parkplatz gegenüber der bekannten Gruppe der „Three Sisters of Glen Coe“ halten wir an und steigen aus. Der Wind bläst uns fast weg und der Regen sprüht von allen Seiten. Das macht das Fotografieren nicht einfacher, aber ein Bild muss sein. Es ist einfach zu schön, zu mystisch, diese mächtigen Berge, deren Häupter in Wolken und Nebel gehüllt sind. Doch recht bald treiben uns Wind und Wetter zurück in den Bus. Wir sind hungrig und müde, wissen noch nicht wo wir schlafen werden und morgen ist schließlich auch noch ein Tag…

Buchaille Etive Mòr am Eingang zwischen Glen Etive und Glen Coe
Buchaille Etive Mòr am Eingang zwischen Glen Etive und Glen Coe

Glen Etive

Glen Etive ist für mich etwas ganz Besonderes und wird es immer bleiben.

Ich hatte ein inneres Bild von den Highlands, eine Vorahnung eines bestimmten Gefühls, einer bestimmten Atmosphäre – und hier im Glen Etive war es dann plötzlich soweit. Genauso sahen meine inneren Highlands aus, so fühlten sie sich an, ich war endlich angekommen. Die Landschaft ist atemberaubend, nicht nur, aber ganz besonders, wenn man die wilde Nordwestküste noch nicht kennt. Mächtige Berge, ein wilder Fluss, der über Stromschnellen springt und über kleine Wasserfälle in breite Pools stürzt. Wildes Wetter, Wolken die über den Himmel jagen und kein Haus weit und breit.

Am ersten Abend fuhren wir immer weiter, obwohl es schon spät war, aber es ist ja lange hell. Wir konnten uns nicht satt sehen und hinter der nächsten Kurve könnte es ja noch schöner sein…

Am nächsten Morgen verhüllten wieder Wolken und Nebel die Berge. Manchmal konnte sich für kurze Zeit doch ein Sonnenstrahl den Weg durch die dichte Wolkendecke bahnen. Nach dem Frühstück entdeckten wir eine Gruppe Kajakfahrer, die sich todesmutig einen kleinen Wasserfall hinunterstürzten und später las ich im Reiseführer, dass River Etive bei fortgeschrittenen Wassersportlern hoch im Kurs steht.

Eingang zum Glen Etive
Eingang zum Glen Etive

Bevor wir aufbrachen, fanden wir noch eine Stelle, wo wir ein kleines Bad nehmen konnten. Das Wasser war eiskalt und der Wind wehte kühl, aber es machte mir nicht das Geringste aus, ganz im Gegenteil. Dabei bin ich eigentlich ein echter Warmduscher :-).

Der erste Kontakt kostete zwar Überwindung, aber dann war es einfach nur noch herrlich. Es ist wunderschön und erfrischend inmitten der Natur an einem solchen wilden Fluss zu baden, Wind und Wasser auf der Haut zu spüren. Wie lange hatte ich schon nicht mehr die Gelegenheit dazu! Es weckt alle Lebensgeister und vertreibt jegliche schlechte Laune! Es ist wie eine Taufe. Getauft mit dem whiskyfarbenen Wasser der Highlands bin ich jetzt vollends angekommen und platze fast vor Glück.

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