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Geschichten von Unterwegs

Glen Etive

Glen Etive ist ein 18 km langes Tal, das kurz vor der Einfahrt ins Glen Coe, auf der Höhe des Kingshouse Hotel, in Richtung Südwesten abzweigt. Es ist Teil der Ben Nevis and Glencoe Natural Scenic Area.

Das Tal

Die kleine, einspurige Straße führt bis zu den Ufern des Loch Etive. Im oberen Teil des Tals hat man die mächtigen Berge des Glen Coe quasi von hinten: Buchaille Etive Mòr und Beag, sowie die Bidean nam Bian, der en Nordflanke die Three Sisters of Glencoe bilden.

River Etive, der dem Tal seinen Namen gibt, entspringt in Rannoch Moor und fließt dann Richtung Südwesten in den Loch Etive einen Seitenarm des Loch Linnhe.

Aufgrund seiner Stromschnellen, kleinen Wasserfälle und Pools ist der Fluss bei Wildwasserkajakfahrern sehr beliebt. Ganz am Anfang des Tals kurz nach der Abzweigung von der A82, gibt es an einer Brücke einen kleinen Parkplatz. In der Nähe ist ein beliebter Fotospot mit einem kleinen, malerischen Wasserfall, der sich wunderschön mit der markanten Pyramide des Buchaille Etive Mòr im Hintergrund fotografieren lässt.

Glen Etive ist ein wildes und einsames Tal in dem es nur ein Jagdanwesen und verschiedene Ferienunterkünfte gibt. Allerdings ist es ebenfalls sehr beliebt bei Autotouristen, die inzwischen an schönen Tagen die Fahrt über die einspurige Straße zu einer Geduldsprobe werden lassen.

Das Tal ist zudem die Heimat einer Herde schottischer Rothirsche, die sich an die Anwesenheit von Menschen gewöhnt haben und die man oft am frühen Morgen oder Abend aus nächster Nähe beim Äsen beobachten kann. Bitte niemals füttern, sie werden davon krank und verenden kläglich!

Eingang zum Glen Etive
Eingang zum Glen Etive

Loch Etive

Während zu Beginn die mächtigen Berggipfel von Glen Coe das Tal dominieren – sie sind von hinten nicht weniger eindrucksvoll, öffnet sich das Tal dann auf etwa halber Strecke.

Hier trifft man dann auf die Hauptgebäude von Dalnes Estate, zu dem auch das Cottage von Glenceitlein gehört. Dalnes ist ein traditionelles Jagdanwesen aus viktorianischer Zeit, das verschiedene Unterkünfte für Jäger oder Feriengäste vermietet. Eine Farm scheint bei Invercharnan noch bewirtschaftet zu werden. Weitere Ferienhäuser gibt es dann in am Ende der Straße in der Nähe zum See.

Dort gibt es auch einen kleinen Parkplatz und meist auch viele Menschen, da hier gerne wild gezeltet wird. Wir genießen die Ausblicke über den See und zurück ins Tal, aber viel zu tun gibt es hier ansonsten nicht. Tatsächlich hat das Tal schönere Stellen zu bieten.

Loch Etive ist beeindruckende 31 km lang und im Mittel nur ca. 1,4 km breit. Eigentlich ist er ein Meeresarm, kein See und mündet wenig nördlich von Oban in den Firth of Lorn. Bei Taynuilt biegt er fast rechtwinklig nach Westen ab und nördlich davon, bis zum Ende der Straße durch das Glen Etive gibt es nichts als beeindruckende wilde Bergwelt und einen kleinen Pfad am Ufer entlang. Vor allem im oberen Drittel ist er nur ca. 500 Meter breit und verläuft zwischen dem knapp 1000 Meter hohen Ben Starav und dem wenig kleineren Ben Trilleachan.

Auf der Rückfahrt vom Loch entschließen wir uns spontan für eine kleine Tour in ein Seitental. Bereits auf der Hinfahrt haben wir ein verblichenes Schild mit einer Karte am Wegesrand entdeckt.

Loch Etive, Glen Etive
Loch Etive

Eas nam Meirleach (The Robber´s Waterfall)

Blöderweise haben wir noch keine Wanderkarte von der Gegend, doch die Hinweistafel zeigt eine verblichene Karte und den Weg zu einem Wasserfall. Nachdem der Pfad am Loch Etive entlang matschig und wenig einladend war, versuchen wir uns hier an einer kleinen Wanderung. Schon der Blick ins Tal ist verlockend und so packen wir unsere Wanderschuhe aus und ziehen auf gut Glück einfach mal los, ohne zu wissen auf was wir uns da eigentlich einlassen.

Das erste, kurze Stück folgt man einer Jeeproad über den River Etive bis Coileitir einem kürzlich renovierten Farmhaus auf der anderen Seite des Flusses. Der offizielle Weg führt mitten durch das Anwesen hindurch, ist aber abgesperrt und man muss es umgehen.

Am oberen Ende teilt sich dann der Pfad unerwarteterweise und wir stehen vor der Entscheidung: wieder runter und am Fluss entlang bis zur Mündung des Alt nam Meirlach, dann dort wieder hoch ins Seitental oder direkt quer übers Moor. Wir entscheiden uns für den direkten Weg, was sich aber schließlich nur als die zweitbeste 😉 Lösung herausstellt, denn kurz vor dem Ziel endet der Pfad vor einem Zaun und man kann nur grob ausmachen, dass vor uns sich schon einmal jemand einen Weg durch den hohen Farn und den sumpfigen Boden gebahnt hatte.

Aber Umkehren kommt jetzt nicht mehr in Frage, also schlagen wir uns weiter querfeldein irgendwie durch bis zum Bach. Dort sehen wir dann auch wieder einen Weg – leider auf der anderen Seite. Zum Glück finden wir schließlich eine Furt, an der sich, zumindest unter Zuhilfenahme unserer Stöcke, trockenen Fußes der Bach überqueren lässt. Nun wissen wir definitiv, dass querfeldein in sumpfigem Gelände (das heißt, fast überall in Schottland) keine gute Idee ist. Aber einmal ist eben immer das erste Mal.

Nach diesen Anfangsschwierigkeiten stellen wir aber bald fest, dass sich die Mühe gelohnt hat. Ein erster kleiner Wasserfall wird von einer stattlichen kaledonischen Bergkiefer flankiert und mit zunehmender Höhe gewinnt man immer neue Ausblicke zurück ins Glen Etive. Auf der Strecke hat es jede Menge größere und kleinere Wasserfälle, tolle Ausblicke und schöne Plätzchen zum Verweilen. Irgendwo lasse ich mich schließlich nieder und genieße einfach die Sonne, den Ausblick, die wohltuende Einsamkeit der schottischen Bergwelt und das tosende Wasser. Peter geht noch ein Stück weiter, ich mache mich irgendwann gemütlich auf den Rückweg – diesmal auf dem einfacheren Weg.

Außer uns war niemand unterwegs. Die meisten fahren nur die Single Track Road bis Loch Etive und wieder zurück. Im benachbarten Glen Coe tobt der Verkehr und der Tourismus. Hier, wenige Kilometer weiter, hat man komplett seine Ruhe. Inzwischen im Besitz einer Karte, beziehungsweise eines Onlinezugangs bei Walkinghighlands, haben wir herausgefunden, dass wir in einem Flusstal an der Ostflanke von Ben Starav unterwegs waren.

The Robber's Waterfall Glen Etive
The Robber’s Waterfall

Weitere Tourenvorschläge im Glen Etive

Ben Starav bildet mit drei weiteren Gipfeln eine Art Arena durch die 3 Wildbäche in Richtung Glen Etive fließen: Alt nam Meirlach, wo wir unterwegs waren, Allt Coire-Dhuibh und Allt Mheuran. Wer fit genug ist (16 km, 1400 Höhenmeter), kann hier eine Tour über den gesamten Grat, mit fantastischem Blick über Loch und Glen Etive, sowie die gesamte Bergwelt der Umgebung, machen.

https://www.walkhighlands.co.uk/fortwilliam/benstarav.shtml

Eine weitere lohnende Tour ist Ben Trilleachan ein langgezogener Bergrücken, der sich westlich von Loch Etive erhebt. Man muss noch nicht mal bis zum Gipfel gehen um einen fantastischen Ausblick über das Tal, den See und auf den gegenüberliegenden Ben Starav zu haben.

https://www.walkhighlands.co.uk/fortwilliam/beinn-trilleachan.shtml

Hier ist ein schönes Video von Scotland’s Mountains für einen kleinen Vorgeschmack.

Hinweis

Glen Etive ist bei Wildcampern äußerst beliebt und leider hat das in den letzten Jahren hier überhand genommen. Die Anwohner sind extrem genervt! Die Haltebuchten im Glen Etive sind bis auf 2 Ausnahmen keine offiziellen Parkplätze und das Freistehen mit dem Wohnmobil oder Campervan sind hier illegal. Gegen geringe Gebühr kann man am Glencoe Skie Centre aber legal stehen.
Über das Verhalten mit dem Wohnmobil oder Campervan in Schottland könnt ihr euch zum Beispiel hier informieren:
Freistehen in Schottland

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