Das kleine Städtchen Aberfeldy, wenige Kilometer östlich von Loch Tay ist das Infrastrukturzentrum der Region. Es liegt mit knapp 2000 Einwohnern im Tal des Flusses Tay. Der gälische Name Obar Pheallaidh bezieht sich auf eine Art Wasserkobold (Peallaidh). Obar bedeutet Mündung und meint die Lage des Orts an der Mündung mehrerer kleiner Flüsschen in den River Tay. Der Ort ist vor allem bekannt durch das Volkslied „The Birks of Aberfeldy“ (Die Birken von Aberfeldy) des schottischen Dichters Robert Burns und die sehenswerten Wasserfälle in der Schlucht des Monness Burn südlich der Stadt.
Ein grauer Tag wird unverhofft bunt
Auch der heutige Tag ist nicht für große Unternehmungen geeignet – immer noch Fifty Shades of Grey und Schauer. Peter hat trotzdem Geburtstag.
Aber was machen wir nur mit diesem Tag? Erstmal Kaffeetrinken an einem schönen Plätzchen mit Blick auf Loch Rannoch. Kurz beehrt uns dort auch die Sonne mit ein paar Strahlen, bevor der nächste Nieselregen niedergeht. Schließlich entdecke ich auf der Karte etwas, was wir auch schon längst einmal machen wollten und noch nie geschafft haben: die Birks of Aberfeldy. Wald und Wasserfälle sind schön, egal ob es grau oder blau ist und zum Fotografieren wäre dort Sonnenschein sowieso eher kontraproduktiv.
Als wir ankommen, weint sich der Himmel erstmal die Seele aus dem Leib. Es ist mehr als das übliche Getröpfel. Also machen wir es uns mit einer Tasse Tee gemütlich. Lange geht das hier ja selten und in einer halben Stunde sieht die Welt meist schon wieder ganz anders aus. So auch heute. Tatsächlich wird es jetzt noch richtig schön und die Sonne kommt raus, womit heute eigentlich niemand mehr gerechnet hatte. Aber so ist das auf den Inseln: Don’t like the weather, wait a minute!
Birks of Aberfeldy nennt sich die tief eingeschnittene, bewaldete Schlucht des Moness Burn am südlichen Ende der Ortschaft. Unzählige Wasserfälle stürzen dort malerisch zu Tal, aber das wissen wir zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht so richtig. Wir wollen nur ein wenig Auslauf, an diesem Tag, der eigentlich ja einer des Wartens auf Godot (sprich: besseres Wetter um ins Rannoch Moor zu fahren), ist. Auch, dass die Birks durch ein berühmtes Gedicht von Robert Burns, dem schottischen Nationaldichter, bekannt wurden, lernen wir erst durch einige Infotafeln am Eingang der Schlucht.

Der Weg steigt schnell kräftig an. Er läuft hoch über dem Fluss und hauptsächlich hört man es rauschen, sieht aber nicht viel. Stört uns nicht, den wir wandeln durch einen wunderschönen alten Buchenwald, mit wieder einmal unfassbar großen, alten Bäumen, wie man sie in Deutschland kaum zu Gesicht bekommt. Mit der Zeit entpuppt sich der kleine Spaziergang, dann aber doch als ein etwas größerer. Es zieht sich in die Höhe und in die Länge, bis wir schließlich am Ende des Tals bei den Falls of Moness ankommen. Leider sieht man sie, wie so oft nur von einem Aussichtspunkt auf der gegenüberliegenden Seite aus. Die Schlucht ist an dieser Stelle schon zu eng und zu steil.
Dann führt der Weg auf der anderen Seite des Tals wieder zurück zum Parkplatz. Bisher ganz hübsch, aber nichts Besonderes. Wasserfälle dieser Art haben wir schon viele gesehen. Doch dann beginnen wir plötzlich zu begreifen, warum uns die ganze Zeit immer wieder Menschen entgegenkamen. Wir sind falsch herum unterwegs und haben mit dem „langweiligen“ Rückweg begonnen. Eigentlich ist es wohl so gedacht, dass man am linken Bachufer entlang nach oben wandert und auf der rechten Seite zurück.
Bei uns geht es richtig steil bergab und plötzlich stehen wir vor einem weiteren beeindruckenden Exemplar aus der Kategorie Wasserfall. Hinter der nächsten Ecke tost es dann schon wieder. Einer reiht sich an den anderen. Aus kleineren Zuflüssen stürzen unzählige fantastische Wasserfälle zu Tal, bis es ganz plötzlich vorbei ist und der Fluss so sanft und ruhig zwischen steilen Felswänden vor sich hinfließt, als könne ihn kein Wässerchen trüben – als wäre er niemals ein ungestümer Wildbach gewesen, der über Felsen und Steine tobte.
Ganz unten begegnet uns dann Robert Burns in Lebensgröße, auf einer Bank verträumt durch die mächtigen Bäume auf den Fluss schauend. Aus der Ferne wirkt die Skulptur täuschend echt, als würde er hier weitere hundert Jahre über ein neues Gedicht sinnieren. Und so wird aus einem grauen Tag, doch noch ein bunter und die beeindruckenden Wasserfälle von Aberfeldy zu Peters Geburtstagsgeschenk.
Webseite von Aberfeldy
https://www.visitaberfeldy.co.uk
Die Tour bei Walkinghighlands
https://www.walkhighlands.co.uk/perthshire/birks-of-aberfeldy.shtml




















