Der Wetterbericht ist eines meiner wichtigsten Werkzeuge in dieser Weltgegend. Und sie haben hier in UK einen wirklich nützlichen Dienst: Metoffice. Man kann online verfolgen wie die Wolken ziehen und wann es wo regnen wird, wann die Wolkendecke wo undurchdringlich sein wird oder auch mal die Sonne rauskommt. Und vor allem: Das Ganze stimmt tatsächlich meistens mit der Realität überein.
Um in Schottland glücklich zu werden, braucht es außerdem neben einem guten Wetterbericht Timing, Planung, eine gute Intuition und ein bisschen Disziplin. Und wenn das alles nichts hilft, muss man lernen sich vom Wetter nicht hetzen zu lassen, nach dem Motto: Jetzt scheint die Sonne und wir müssen ganz schnell… sondern es einfach zu akzeptieren, wie es ist. Ich übe noch, bin aber schon viel besser geworden, was auch damit zu tun haben mag, dass wir diesmal richtig viel Zeit mitbringen.
Vor allem, wenn es wie in diesem Jahr unendlich viel regnet. Schon das Frühjahr bei uns zuhause war nass, sehr nass. Und auch hier ist es extrem wechselhaft. Ist es sowieso, aber eben im Moment noch ein bisschen mehr als sonst.
Bisher lief das Wetter im Zyklus von einem Tag bewölkt, einem Tag Regen, wieder einem Tag bewölkt, dann einen Tag Sonne/Woken ab. Dann das Ganze von vorne. Auf Berge steigen bringt nichts, wenn alles in den Wolken verschwindet. Also muss man entsprechend planen und das dann auch durchziehen. Wir versuchen demnach zu fahren, wenn es regnet und die anderen Tage für Unternehmungen zu nutzen. Und am besten man trinkt nicht genau dann Kaffee im Van oder macht Vesperpause, wenn der Regen gerade aufgehört hat…
Heute soll es also regnen, was es auch tatsächlich tut und wir nutzen das um an den Loch Tay weiterzufahren und uns dort in der Gegend erstmal zu orientieren.
Jede neue Gegend heißt immer auch, einen neuen Schlafplatz zu finden. Einen Campingplatz oder Wohnmobilstellplatz, der für uns passt oder einen freien Stellplatz. Wir achten aber sehr darauf, dass wir niemanden stören oder verärgern. Das heißt, wir parken, wenn wir frei stehen nur auf offiziellen Parkplätzen, an denen das Stehen über Nacht ausdrücklich erlaubt oder zumindest nicht verboten ist. Schwieriger macht für uns das Ganze noch, dass wir darauf achten müssen, dass es nicht zu viel Mobilfunk- oder WLAN-Strahlung gibt, da wir dann nicht schlafen können und Kopfschmerzen bekommen.
Wir stehen niemals auf Parkplätzen an öffentlichen Gebäuden, wie Schulen, Kindergärten, Kirchen, Friedhöfen oder gar auf Passing Places und möglichst weit ab von bewohnten Häusern.
Zum Glück hat der Boom auch in Schottland in den letzten Jahren dazu geführt, dass es mehr offizielle Stellplätze gibt, als früher. Zum Beispiel die „Stay the night“-Plätze der Forrestry Commission und gemeindeeigene oder private Plätze mit einer Honesty Box oder Onlinebuchung.
Andererseits gibt es auch mehr Verbote. Vor allem an touristisch stark frequentierten Orten, wie Skye, Fort William oder an der NC 500. Diese sollte man unbedingt respektieren, denn es gibt sie vor allem deshalb, weil in den letzten Jahren einfach zu viel zu viele Wohnmobile und Camper unterwegs waren. Vor allem während der Corona Jahre, als die Briten nicht ins Ausland konnten und dann eben nach Schottland fuhren.
Und es sind nicht mehr nur die, die seit Jahren gewohnt sind so zu reisen und wissen, wie man sich verhält, sondern Viele, die einfliegen und sich dann in Edinburgh oder Glasgow für zwei Wochen ein weißes Riesending mieten und keine Ahnung haben, wie man damit umgeht. Das sind dann oft auch diejenigen, die ihre Chemieklos einfach in die Landschaft kippen, an den unmöglichsten Orten stehen, mit den Single Track Roads total überfordert sind und so den Unmut der Einheimischen auf sich ziehen.
Damit wir nicht in die Verlegenheit kommen, an einem Platz stehen zu müssen, der nicht in Ordnung ist, planen wir also die Schlafplatzsuche ab dem Nachmittag mit ein, wenn wir an einen neuen Ort fahren, den wir noch nicht kennen. Manchmal geht es schnell, so wie heute, manchmal kann es aber auch zwei Stunden dauern, bis wir etwas Passendes gefunden haben.

Dochart Falls
Wir machten in Killin, am Westende des Loch Tay Halt und da der Regen gerade mal aufgehört hatte. Wollten wir die Gelegenheit nutzen und uns ein bisschen bewegen. So schauten wir uns die Dochart Falls an, eine bekannte Touristenattraktion. Außerdem war ich noch nicht ganz entschieden, wie und wo es weitergehen sollte. Ich fahre vorwiegend nach Bauchgefühl und manchmal braucht es ein wenig, bis sich meine Antennen auf die jeweilige Gegend eingestellt haben.
Wir waren hier in Killin vor ein paar Jahren schon einmal auf der Durchfahrt, aber da die Wasserfälle direkt an der Straße und quasi mitten im Ort liegen, entsprechen sie nicht ganz so den Zielen, die wir normalerweise anfahren. Wären sie etwas naturnäher gelegen, wären die Dorchart Falls aber durchaus ein Highlight. So sind sie immerhin noch sehenswert, wenn man sowieso in der Gegend ist. Im breiten, felsigen Flussbett, das an dieser Stelle durch eine Insel geteilt wird, muss sich das Wasser seinen Weg über viele kleinere Stufen suchen, während große Felsbrocken ihm den Weg versperren. Als wir das letzte Mal hier waren, war der Sommer ungewöhnlich heiß und trocken – es war also nicht viel los im Fluss. Aber dieses Jahr fiel ja nun schon fast überall in Mittel- und Nordeuropa genügend Nass vom Himmel und entsprechend imposant strudelte das Wasser über die Stromschnellen.
Zurück beim Auto, wusste ich dann auch wo es langgehen sollte. Wir wählten die kleinere Straße, die am Südufer des Loch Tay entlangführt. Single Track with Passing Places, not suitable for Coaches and Caravans, sagt das Schild am Abzweig. Ein oder zwei Weiler gibt es hier, ansonsten ein paar einzelne bewohnte Anwesen und vor allem Cottages – Ferienhäuser. Wir fahren durch die typischen Wäldchen, ab und zu öffnet sich der Blick auf den See und die gegenüberliegenden Berge. Auf unserer Seite kommt ab und zu die Sonne durch, auf der Gegenseite ist Ben Lawers, mit seinen grob 1200 Metern, in dunklen Wolken verschwunden. Und so bleibt das auch an diesem und auch dem nächsten Tag. Dunkle Wolken über den Bergen auf der Nordseite, Sonne auf der Südseite. Ich habe definitiv die richtige Entscheidung getroffen.
Wildcamping und zwei alte Ladies
Nach etwa 20 km, kurz vor Acharn, gab es dann tatsächlich den Platz zum Wildcampen, der auf der Karte eingetragen war. Laut Park4night ein sehr beliebter Spot für Vans und sogar Zelte – quite busy at times… Aber wir hatten heute die Nase vorn, waren die ersten und sicherten uns einen Platz mit Aussicht auf den See – jedenfalls für die Dauer unseres Nachmittagskaffees. Kurz nach uns kam bereits ein zweiter Campervan und stellte sich immerhin ganz höflich so, dass er uns die Aussicht nicht verdarb.
Was man dann von den zwei alten Damen in einem VW Kombi aber nicht behaupten konnte, die sich ganz frech direkt zwischen uns und den Ausblick stellten und dann erstmal Teatime zelebrierten. Die eine war mindestens Mitte 70, eine alte Lady, wie man sie in Deutschland auf dem Sofa und vor dem Fernseher findet, maximal zum Kaffeetrinken 500 m auf geteerten Wegen bis zum nächsten Kaffee und Kuchen spazierend, die andere marginal jünger.
Wir hofften, dass die Damen hier vielleicht nur Teepause machten und dann weiterfahren würden um eine ihrem Alter entsprechende Unterkunft aufzusuchen, aber weit gefehlt. Nach dem obligatorischen Tee wurde dann ausgepackt und aufgebaut. Der kleine VW spuckte jede Menge Materialien aus. Ein Zelt als Umkleide, eine Feuerschale, Tische und Stühle. Die Rückbank war zum Bett umgebaut, darunter eine ausziehbare Küche. Die geöffnete Heckklappe wurde zu einer Art Zelt in dem man kochen und sitzen konnte. Und so richteten sich die Damen häuslich ein. Die Umkleide in Armytarnfarbe, direkt vor „unserem“ Blick auf den See, gab dann den Ausschlag, dass wir uns ein wenig mehr Abstand genehmigten, was den Nachteil von weniger Ausblick, und den Vorteil, dass wir eben standen, ohne Keile unterlegen zu müssen, hatte. Aber cool in dem Alter – abgesehen von der Sache mit dem Ausblick – das erlebt man wohl nur in Schottland.
Wir überlegten dann, ob wir heute noch die Falls of Acharn besuchen sollten, aber hatten das Gefühl, dass wir unseren Standplatz besser nicht aufgeben sollten. Also machten wir nur eine kleine Runde zu Fuß auf der kleinen Straße, auf der um die Uhrzeit sowieso niemand mehr unterwegs war.
Und tatsächlich, als wir gerade auf dem Rückweg waren, sahen wir noch einen deutschen Campervan auf der Suche nach einem Schlafplatz in den Platz einbiegen. Gut, dass wir nicht mehr weggefahren waren. Wir verbrachten dann eine erholsame Nacht und gingen früh schlafen, was gar nicht so einfach ist in Schottland um diese Jahreszeit. Hier ist es immer noch bis 23:00 Uhr hell und Ruckzuck ist es dann Mitternacht, bis man im Bett ist…














