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Geschichten von Unterwegs

Mit dem Wohnmobil in Schottland

Teil 2 – Wie verhält man sich so, dass man nicht nervt?

Wenn du Teil 1 zuvor lesen willst: Freistehen in Schottland

Ja, die Wohnmobil und Campervan Community hört es nicht gerne, dass sich einfach viele Einheimische in Schottland (und am Ende ja auch in anderen typischen Womoreiseländern, wie Norwegen) genervt fühlen.

Wie ich schon in Teil 1 über das Freistehen geschrieben habe, liegt das hauptsächlich an den schlechten Erfahrungen während der Coronazeit und nicht zuletzt der schieren Menge an modernen Nomaden, die inzwischen unterwegs sind. Mit der Masse steigt leider auch die Menge an schwarzen Schafen oder Menschen, die sich ein Gefährt mieten und damit nicht richtig umgehen können und auch in dieser Art des Reisens unerfahren sind. Das trägt nicht gerade zur Beliebtheit bei.

Das Wohnmobil-Bashing, das daraus manchmal erwächst tut weh, denn es ist doch im Grunde eine fantastische Art zu reisen, die so viel Freiheit und Spontanität erlaubt und die meisten, würde ich mal behaupten, geben sich Mühe sich korrekt zu verhalten.

Oftmals lassen wir außerdem weniger Müll zurück und erleichtern uns auch nicht unbedingt in der Landschaft, da wir ja sowohl Mülleimer, als auch Toilette in der Regel mit uns führen.

Aber wir fallen auf und stehen nun mal im Zentrum der Aufmerksamkeit, deshalb finde ich es wichtig, dass man sich damit beschäftigt, wie man weiteren Unmut vermeiden kann und sich unterwegs richtig verhält.  

Leave nothing but footprints

Dass man weder seinen Müll irgendwo in der Landschaft oder öffentlichen Müllkübeln entsorgt noch sein Chemieklo einfach irgendwohin kippt, sollte eine Selbstverständlichkeit sein. Der beste Reisende ist derjenige, von dem man nicht merkt, dass er da war.

Öffentliche Toiletten darf man nicht für die Entsorgung von Chemietoiletten verwenden!

Die Klärgruben haben keine ausreichenden Kapazitäten dafür. Es kann dazu führen, dass Toiletten verstopfen und nicht mehr genutzt werden können. Die Chemikalien schädigen außerdem die biologischen Klärsysteme.

Es gibt öffentlich zugängliche Abfallentsorgungseinrichtungen für Wohnmobile. Diese findet man hier:

https://www.campa.org.uk/waste-disposal/

Ansonsten macht es Sinn (nicht nur aus diesem Grund) Campingplätze zu nutzen. Manche Plätze bieten auch Grauwasser und Abfallentsorgung gegen ein Entgelt an.

Wohnmobil mit Autoschlange hinter sich in Schottland
Überholen lassen!

Das richtige Verhalten auf den Straßen

Wohnmobile stellen oft ein Hindernis auf Straßen dar, vor allem auf Single Track Roads. Als Tourist hat man keine Eile, fährt langsam, will den Urlaub und die Landschaft genießen. Die Einheimischen dagegen müssen in der Regel aus gutem Grund von A nach B. Rettungsdienste sind in den Highlands auch häufig in Privatfahrzeugen unterwegs. Ein Fahrzeug, dass per Lichthupe Signale sendet, will dich also möglicherweise nicht ärgern, sondern gehört in diese Kategorie.

Es gehört zum guten Ton, dass man die Straße hinter sich im Blick behält und Fahrzeuge, die schneller unterwegs sind, überholen lässt. Dies gilt in besonderem Maße für Single Track Roads.

Über das generelle Verhalten auf Single Track Roads habe ich einen ausführlichen Artikel geschrieben:

Es gibt, vor allem in den nordwestlichen Highlands, entlang der NC500 Single Track Roads, Straßen, die für große Wohnmobile oder Gespanne nicht geeignet sind. Das sind zum Beispiel:

  • Der Drumbeg Loop/Lochinver by Coast zwischen Kylesku und Lochinver
  • Die Straße zwischen Lochinver und der Coigach Halbinsel entlang der Küste
  • Der Bealach na Ba Pass auf die Applecross Halbinsel
  • Die Straße von Killin nach Kenmore am südlichen Ufer des Loch Tay
  • Die Straße von Aberfoyle nach Stronachlachar in den Trossachs
Altes Foto von der Straße über den Applecross Paß
Bealach na Bà, Appelcross – Die Straße ist inzwischen geteert, aber die Kurven sind noch dieselben

Zum ersten Mal mit dem Wohnmobil unterwegs?

Stelle sicher, dass du dein Gefährt beherrschst. Die Straßen in den Highlands sind nicht mit mitteleuropäischen Straßen zu vergleichen. Auch in Städten oder Dörfern ist es oft enger als gewohnt. Auf Single Track Roads ist es zwingend notwendig, dass man sicher rückwärtsfahren und in eine Ausweichbucht rangieren kann, ohne dass das eine halbe Stunde dauert. Also besser ein wenig Üben, bevor man sich in die ganz großen Herausforderungen stürzt.

Auf dieser Webseite gibt es nützliche Tipps zum Reisen im Wohnmobil und unter dem Punkt „Driving a Campervan or Motorhome for the first time“ wichtige Anregungen für Anfänger.

https://www.campa.org.uk/safe-driving-in-scotland/

Parken

Die Seitenstreifen in den Highlands sind in der Regel nicht für schwere Fahrzeuge geeignet, wenn überhaupt für irgendwelche Fahrzeuge. Der feuchte, weiche Boden ist tückisch und verwandelt sich schnell in eine Schlammgrube aus der man nicht mehr so leicht freikommt. Du wärst nicht der Erste, der sich hier festfährt…

Die Wirtschaft vor Ort unterstützen

Das Highland Council schreibt in seiner Broschüre dazu Folgendes:

Bitte unterstützen Sie die Kampagne „Loves Local“ der Highlands, indem Sie an die Region denken und dabei helfen, die Unternehmen vor Ort zu unterstützen. Kaufen Sie, wenn möglich, Lebensmittel in den örtlichen Geschäften, genießen Sie Kaffee und Kuchen in einem Café oder ein Abendessen in einem örtlichen Pub oder Restaurant.

Einer der Einwände gegen Womofahrer ist immer wieder, sie würden alles mitbringen, was sie brauchen, das billig in den Städten einkaufen und der Region, in der sie unterwegs sind nichts zurückgeben. Dass das so nicht stimmt, hat schon vor Jahren eine Untersuchung an der Westküste in Sutherland und Assynt ergeben. Auch Womofahrer kaufen ein, tanken und gehen Essen oder abends in einen Pub und fördern damit die lokale Wirtschaft. Aber die Wahrnehmung der Menschen ist scheinbar anders.

Laden und Postamt in Applecross
Laden und Postamt in Applecross

Wie es tatsächlich ausschaut, weiß ich auch nicht. Deshalb hier mein Rat: Nehmt euch den Vorschlag des Highland Councils zu Herzen, solltet ihr es nicht sowieso schon so handhaben.

Was ich persönlich dabei noch wichtig finde: Wir kaufen immer etwas vor Ort ein, aber wir achten darauf die Läden nicht leerzukaufen. Die Infrastruktur in den abgelegenen Regionen, wie zum Beispiel der NC500 ist äußerst fragil. Oft ist der nächste größere Supermarkt 100 km oder mehr entfernt und die kleinen Dorfläden werden nur einmal pro Woche beliefert.

In einem Gespräch mit einem älteren Ehepaar vor Ort haben wir auch gehört, dass sie öfter Probleme damit haben, dass es schon kurz nach der wöchentlichen Lieferung viele Dinge wieder ausverkauft sind und ihnen das Probleme bereitet.

Ja was nun, fragt du dich jetzt vielleicht. Einkaufen vor Ort oder nicht?

Dieser Widerspruch zeigt vor allem Eines ganz deutlich: Unser Status als Touristen in Regionen wie zum Beispiel North Sutherland ist kompliziert. Wer noch nicht dort war, kann sich die menschenleere Weite dort kaum vorstellen – und auch die infrastrukturellen Probleme nicht. Was im Urlaub ein Abenteuer ist, ist für die Menschen vor Ort existentiell.

Einspurige Straßen als Hauptverkehrsadern, der nächste größere Laden mehrere Stunden Fahrt entfernt, genauso wie andere Dienstleistungen, die für uns in Mitteleuropa immer und in nächster Nähe verfügbar sind, sind die Realität. Und dann fallen Massen von Touristen dort ein. Wir werden gebraucht, aber der Kipppunkt, wo es für alle schwierig wird, ist schnell erreicht.

Achtsamkeit, Einfühlungsvermögen und gesunder Menschenverstand sind in jeder Hinsicht also angebracht.  

Soweit zum Verhalten. In dieser Broschüre ist das wichtigste gut zusammengefasst:

www.highland.gov.uk/downloads/file/2309/enjoying-the-highlands-in-your-motorhome-or-campervan-german

In Teil 3 zeige ich euch dann, wie und wo ihr die schönsten Plätze in der Natur, auch jenseits der großen Campingplätze findet – ohne jemandem auf die Nerven zu gehen. Ganz legal und mit gutem Gewissen.

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