Nachdem es in allen möglichen Schottlandgruppen immer wieder dieselben Fragen zur Isle of Skye gibt, ist es wohl Zeit für einen ausführlichen Artikel zu diesem Thema.
Und ja, ich habe gut reden, ich war schon dort – mehrmals: 2015, 2016, 2018 – und es war toll. Es gibt wirklich wunderschöne Plätze dort, spektakuläre Landschaften auf vergleichsweise engem Raum und eben dieses Inselfeeling, diese spezielle Atmosphäre. Trotzdem stellt sich heute die Frage: Was ist eigentlich davon noch übrig?
Nicht umsonst waren unsere Erlebnisse von 2018 auf Skye dann der Grund warum wir seitdem nicht mehr dort waren.
Die Situation an den Hotspots in Schottland ist teilweise prekär
Es gibt verschiedene Gründe, warum die Situation an den Hotspots in Schottland, zu denen die Isle of Skye definitiv gehört, irgendwann eskaliert ist: Zum Beispiel: Die Serie Outlander ab 2015, die sozialen Medien, vor allem Instagram und Facebook, das Verhalten der Tourismusorganisationen und der schottischen Verwaltung, die zwar massiv Werbung betrieben, aber nicht in touristische Infrastruktur investierten, Corona oder der zunehmende Trend im Wohnmobil unterwegs zu sein.
Außerdem sind die Highlands in Schottland ein extrem sensibles Ökosystem und das schließt nicht nur die Natur und die Tiere, sondern auch die Menschen und ihre Lebensweise ein.

Seit den Clearances im 19. Jahrhundert gehören die Highlands zu den an dünnsten besiedelten Gebieten Europas, viele abgelegene Ortschaften wurden erst in den 1970er Jahren ans öffentliche Straßennetz und die Stromversorgung angeschlossen und waren nur mit dem Boot oder zu Fuß erreichbar. Noch heute sind meist einfache, einspurige Straßen die einzige Verbindung. Die Brücke auf die Isle of Skye wurde erst im Oktober 1992 eröffnet.
Viele Besucher aber wenig Investitionen in die Infrastruktur
Auf Skye sind die Straßen von Kyle of Lochalsh über Portree bis Uig und zurück über Dunvegan nach Sligachan zwar immerhin zweispurig, sowie die Straße von Broadfoard nach Armadale im Südwesten der Insel, doch viele Hauptattraktionen wie die Fairy Pools, Neist Point, Talisker Bay, Elgol oder das Fairy Glen sind nur über Single Track Roads zu erreichen. Diese Straßen sind nicht für die Mengen an Fahrzeugen gebaut, die sie seit dem Boom benutzen möchten und im Sommer völlig überlastet – man kommt nur noch im Schneckentempo voran, immer wieder blockieren unerfahrene Wohnmobilfahrer den Verkehr, die es nicht schaffen ihr großes Fahrzeug zurückzusetzen. Man quält sich von Passing Place zu Passing Place.
Doch das Problem endet nicht beim Zustand der Straßen. Es gibt auch nicht genug Parkplätze, was dazu führt, dass auf den Seitenstreifen geparkt wird. Dabei erodiert der fragile Untergrund (Moor) schnell, wird komplett zerstört und Fahrzeuge bleiben regelmäßig stecken. Zum Glück hat sich hier die Situation, zumindest an den Fairy Pools, im Fairy Glen, am Old Man of Storr und am Quiraing, etwas verbessert – es wurden Parkplätze gebaut, die allerdings auch gebührenpflichtig sind.

Weiter geht es mit Unterkünften, Restaurants und öffentlichen Toiletten. Im Sommer campieren Menschen am Rand der Straßen in ihren PKWs, es kommt zu unschönen Szenen, wenn Touristen verlangen private Toiletten in Läden benutzen zu dürfen und dabei auch mal unverschämt werden und sich lange Schlangen vor Restaurants bilden.
Als wir 2015 zum ersten Mal auf Skye waren, war es noch vergleichsweise ruhig und entspannt, alle waren freundlich zueinander. 2016 war es schon voller, aber noch erträglich. 2018 sind wir nach einem Tag geflüchtet, nachdem wir uns stundenlang über Single Track Roads gestaut hatten und zwei Stunden für eine Strecke brauchten, die wir ansonsten in einer halben Stunde geschafft hätten.
Dazu kommt, dass auch die Bauweise und Qualität der Straßen nicht auf diese Art der Beanspruchung ausgelegt ist. Teilweise sind sie inzwischen in einem wirklich besorgniserregenden Zustand mit erodierten Seitenstreifen und tiefen Schlaglöchern. Auf der kleinen Straße zu den Fairy Pools bleiben deswegen immer wieder Fahrzeuge liegen und blockieren für Stunden den einzigen Zugang zum Tal. Da kommen dann kein Rettungswagen, kein Feuerwehrfahrzeug und kein Einheimischer mehr durch, der vielleicht zur Arbeit muss.
Wo ist der Zauber geblieben…
Die Atmosphäre an den Fairy Pools, die wir unserer Tochter zeigen wollten, war alles andere als „fairy“. Ausgelutscht trifft es besser. Die Feen hatten längst das Weite gesucht vor der Menge an Menschen, die jede Saison hier einfallen.
Und auch die Art der Besucher hatte sich verändert. Teure große Mietwagen, aus denen gestylte Menschen aussteigen, mit dem Selfie Stick hantieren und ein Bild für Social Media vor der berühmten Kulisse machen, dann schnell weiterfahren. Überall aggressive, gereizte Menschen im Kampfmodus um den nächsten Parkplatz, eine Toilette, etwas zu essen, das nächste Fotomotiv.

Wir kannten bisher aus Schottland vor allem Menschen wie uns: in Wanderschuhen und wettertauglicher Kleidung, die die Natur lieben und sich die Zeit nehmen in ein Land, seine Schönheiten und Kultur einzutauchen. Es war ein Schock und unser letzter Besuch auf Skye.
Nicht nur die Touristen gehen sich gegenseitig auf die Nerven auch die Einheimischen kommen an ihre Grenzen. Man braucht den Tourismus zum Überleben in dieser abgelegenen Region, aber am Ende des Tages ist es inzwischen einfach zu viel für diese kleine Insel.
Zeitweise überlegte man, ob man die Besucherzahlen reguliert und nur noch eine bestimmte Anzahl von Menschen auf die Insel lässt. Aber da wurde nichts draus. Die schottischen Behörden bekommen ja seit Jahren nicht mal eine Kurtaxe, wie sie bei uns in bestimmten, stark frequentierten Regionen üblich ist, auf die Reihe. Dabei würde das wirklich Sinn machen, niemandem wehtun und vielleicht dazu beitragen das Leben für alle, an den stark touristisch frequentierten Orten, erträglicher zu machen. So geht alles weiter wie gehabt.
Ein weiteres gravierendes Problem vor Ort ist Wohnraum. Vor allem Wohnraum für die einheimische Bevölkerung. Jeder Schuppen ist inzwischen als Feriendomizil ausgebaut und wird an Touristen vermietet. Das ist viel einträglicher als an Dauermieter zu vergeben. Entsprechend kann sich kaum mehr ein normaler Mensch leisten auf Skye zu wohnen. Auch Arbeitskräfte im Tourismus finden keine Bleibe…
Wir haben also irgendwann beschlossen, dass wir zumindest, nicht mehr zu den Problemen auf Skye beitragen möchten. Und auch die Orte, die wir liebten, sind nicht mehr das, was sie einmal waren. Sie haben leider unter dem Besucherdruck ihren Zauber verloren.
Für mich geht es nicht darum auf Instagram zu zeigen, hallo ich war da. Ich will etwas spüren und erleben, was meine Seele glücklich macht, was für mich stimmig ist. Es sind die Bilder in meinem Herzen, die ich mitnehme. Momentan geht das für mich auf Skye nicht mehr.
Wir sind wohl auch nicht die einzigen, denen so erging: https://fraeulein-draussen.de/isle-of-skye-schottland/
Am Ende muss jede/r selbst entscheiden. Vielleicht urlaubst du öfter an touristischen Hotspots und findest es gar nicht so schrecklich wie wir. Ich verurteile hier niemanden, der meint, es muss nun einmal Skye sein und wenn ich meine alten Bilder anschaue, werde ich traurig und verfluche die Umstände…

Tipps für den Aufenthalt auf Skye
Wenn du dich trotzdem für einen Aufenthalt auf Skye entscheidest:
- Die Saison geht inzwischen von April bis November, der Peak ist von Mai bis September
(Edit: Laut den vielfältigen Reaktionen auf diesen Artikel auf FB, haben aktuell doch einige Ende April/Anfang Mai und im Oktober keine negativen Erfahrungen gemacht, was immerhin Hoffnung macht :-)) - Unbedingt Unterkünfte und Campingplätze vorbuchen
- Auch Plätze in Restaurants, vor allem in Portree, bekommt man quasi nicht mehr spontan und sollte rechtzeitig reservieren um Stress und Enttäuschungen zu vermeiden
- Sich auf viele Menschen, mehr Stress als sonst in Schottland und Staus einstellen. Ruhe bewahren und genug Zeit einplanen
- Halte dich an Regeln wie Durchfahrt- oder Parkverbote
- Nicht auf unbefestigtem Grund/Seitenstreifen parken – im Moor bleibt man schnell stecken
- Wenn du ein großes Wohnmobil fährst, überlege dir gut wohin du fährst. Auf den einspurigen Straßen stellst du auf jeden Fall ein Hindernis dar und du musst dich darauf einstellen dein Gefährt immer mal wieder auch rückwärts in ein Passing Place zu manövrieren.
- Respektvoll und freundlich bleiben, Ansprüche überdenken auch wenn es mal nicht läuft wie geplant.
Besonders schwierig sind in der Hauptsaison:
- Die Fairy Pools – Die einspurige Straße ins Glenbrittle ist in sehr schlechtem Zustand. Der Seitenstreifen errodiert und voller Schlaglöcher. Hier bleiben regelmäßig Fahrzeuge liegen. Dann kommt es zu stundenlangen Staus und nichts geht mehr.
- Das Fairy Glen – Sehr enge, einspurige Straße
- Neist Point – Ab Lonmore auf knapp 20 km einspurig. Auch hier kommt es während der Saison häufig zu Staus.
- Wie es aktuell auf der Zufahrt nach Elgol und der Talisker Bay aussieht, weiß ich leider nicht. Zu unserer Zeit war das noch in Ordnung. Es sind aber auch einspurige Straßen. Von Broadford nach Elgol sind es ebenfalls gute 20 km.
Aber zum Glück gibt es ja auch noch Alternativen
Schottland ist groß, die Highlands weit und es gibt so viele schöne und einzigartige Orte dort, die sich vor den Attraktionen auf Skye wirklich nicht verstecken müssen. Dort findet man immer noch das Schottland, das so viele Fans seit Jahrzehnten begeistert und es gibt dir dort letztendlich genau das, was du doch eigentlich suchst: die tollen Erlebnisse und die Bilder im Herzen, die dich bis an dein Lebensende begleiten werden.

Ich kann für ein alternatives Inselfeeling vor allem die Isle of Mull empfehlen. Auch dort findest du fantastische Landschaften in einer großen Vielfalt. Schroffe Klippen, schöne Strände, das entzückende Städtchen Tobermory und historische Stätten wie das schottische „Urkloster“ auf Iona oder die unvergleichliche Vulkaninsel Staffa. Dazu das gemächliche, entspannte Inselleben und freundliche Menschen, die noch Kapazitäten für ebenso nette Besucher haben.
Aktuell schreibe ich an einem Artikel und einem ausführlichen Reiseführer zur Isle of Mull. Ihr dürft gespannt sein.
Und wenn es nicht unbedingt eine Insel sein muss, findest ihr auf meinem Blog weitere tolle Alternativen zum Wahnsinn auf Skye!








