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Geschichten von Unterwegs

Loch Katrine, Blick auf den See

Loch Katrine – Stiller See in den Trossachs

Als ich 2015, vor 9 Jahren, zum ersten Mal in Schottland war, machten wir Station in Aberfoyle und den Trossachs, da wir im nahen Stirling die Highlandgames besuchen wollten. Wir kamen am frühen Nachmittag an, nachdem ich meine Tochter vom Flughafen in Glasgow abgeholt hatte, und als wir uns eingerichtet hatten, überlegten wir, was wir mit dem restlichen Tag so anstellen könnten. Also fuhren wir über den Duke’s Pass zum Loch Katrine. Es war kurz vor 16:00 und hell bis mindestens 23:00, also noch genug Zeit für Unternehmungen – meinten wir. Aber wir hatten die Rechnung ohne die Briten gemacht. Leider wussten wir damals noch nicht, dass in ganz Großbritannien zur Teatime die Bürgersteige hochgeklappt werden.

Das heißt, die meisten Museen, kleineren Shops, Outdooraktivitäten etc. machen um 17:00 dicht. Tesco hat dafür bis 23:00 und auch sonntags offen. Das half uns aber in diesem Moment auch nicht weiter, denn auch der Fahrradverleih am Loch Katrine begann schon seine Tore zu schließen und auch das Ausflugsboot kehrte bereits von seiner letzten Fahrt zurück. Dazu kam das schlechte Wetter, bedeckt mit leichtem Nieselregen, was den Fahrradverleih dazu veranlasste bereits um 16:00 Uhr zu schließen und uns auch für die letzte Stunde damit buchstäblich im Regen stehen zu lassen.

Loch Katrine 3
Loch Katrine

Was mich an Loch Katrine immer besonders gereizt hatte, war die einzige kleine geteerte Straße, die am nordöstlichen Ufer entlangführt, aber für den öffentlichen Verkehr gesperrt ist. Zu Fuß ist das für mich keine Freude, aber genial mit dem Fahrrad. Wie man unschwer erkennen kann, war da also noch etwas offen für mich. Und diesmal konnte uns der Fahrradverleih wurscht sein – wir hatten unsere eigenen Fahrräder dabei 😊.

Das Wetter wieder ziemlich bedeckt mit leichtem Nieselregen ab und zu, stellte für uns kein Hindernis dar. Wir waren entsprechend ausgerüstet und sehr entschlossen uns diesmal durch Nichts und Niemandem von unserem Vorhaben abhalten zu lassen.

Loch Katrine ist ca. 16 Kilometer lang und umgeben von Bergen und Wäldern. Die öffentliche Straße führt nur bis ans südöstliche Ende, danach nichts als Highlandeinsamkeit und Stille. Nur ab und an tuckert das historische, kleine Dampfschiff Sir Walter Scott über den See bis Stronlachar am südwestlichen Ufer. Die öffentliche Straße dorthin führt über Loch Ard und Loch Chon hinter den Bergen durchs nächste Tal und endet ebenfalls dort.

Entlang der Straße säumten uralte, riesige Buchen den Weg. Es ließ es sich wunderbar fahren. Immer wieder öffnen sich tolle Aussichten auf den See und die umliegenden Berge. Es war so, wie ich es mir all die Jahre erträumt hatte! Im nördlichsten Viertel des Sees, jenseits von Stronlachar, das dort am anderen Ufer liegt, wird es dann immer wilder. Die Laubbäume werden von Fichten und Kiefern abgelöst. Tatsächlich gibt es dann dort noch ein paar Häuser. Ferienhäuser? Oder wohnen da echte Menschen das ganze Jahr über? Hieße mindestens 20 Minuten Autofahrt auf einer extrem schmalen Straße, bis man überhaupt eine öffentliche Straße erreicht und dann nochmal mindestens dieselbe Zeit bis in eine Ortschaft…

Am Ende des Sees hätten wir uns ein Bänkle mit Aussicht gewünscht. Gab es leider nicht 😉. Also setzten wir uns mit unserem Lunch ins Gras, ohne Ausblick, aber dafür inzwischen mit Sonnenschein.

Loch Katrine 7
Schiffsanleger von Stronachlachar

Normalerweise wäre man wohl die restlichen 4 km weitergefahren bis Stronlachar. Dort gibt ein kleines Café am Pier, wo der Dampfer anlegt. Viele fahren dann von dort mit dem Schiff zurück zum Parkplatz oder umgekehrt: mit dem Dampfer hin und dem Fahrrad zurück. Hätten wir auch so planen sollen, fiel uns aber zu spät ein und auf gut Glück wollten wir es nicht versuchen, denn wie man schon unterwegs sehen konnte, war es immer ziemlich voll und wir waren nicht sicher, ob wir mit unseren Rädern noch einen Platz bekommen hätten, ohne vorzubuchen.

Also fuhren wir denselben Weg zurück, den wir gekommen waren. Auch schön – und anstrengend, denn es geht durchaus mehr auf und ab als man bei einem Weg am Seeufer entlang so erwartet. Am Ende waren wir schon ziemlich platt.Wer die Tour so plant, dem kann ich aber empfehlen, die Strecke nach Stronlachar mit dem Rad zu machen und den Rückweg mit dem Schiff. In dieser Richtung hat man die schöneren Blicke.

Die Sir Walter Scott bietet seit 1899 Ausflüge über den See an. Erst 2007 wurde sie von Kohle auf Biodiesel umgerüstet. Bekannt wurde Loch Katrine vor allem durch das Gedicht des schottischen Nationaldichters Sir Walter Scott „The Lady of the Lake“. Auch Theodor Fontane hat in einem Reisebericht Loch Katrine beschrieben. Eine der bekanntesten Erzählungen von Walter Scott ist allerdings die, von Rob Roy McGregor, dem schottischen Robin Hood. Dieser wurde in Glengyle, dem kleinen Ort am nördlichen Ende des Loch Katrine geboren und verbrachte dort auch Teile seines Lebens. Er begegnet einem überall in den Trossachs. Es gibt mehrere Spielfilme über sein Leben, der bekannteste ist eine amerikanische Verfilmung und wurde 1995 mit Liam Neeson in der Hauptrolle gedreht.

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